Bessere Zahlen, höhere Prognose – und trotzdem ein Kursrutsch von rund acht Prozent im frühen US-Handel. Bei UPS zeigt sich gerade, wie sehr die Börse auf den Ausblick schaut statt auf die Vergangenheit.

Der Paketdienstleister hat am Dienstag seine Jahresprognose angehoben. Der Umsatz soll 2026 bei rund 91,2 Milliarden Dollar liegen, deutlich über der vorherigen Zielmarke von 89,7 Milliarden Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll auf etwa 7,22 Dollar steigen.

Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um sechs Prozent auf 14,9 Milliarden Dollar. Unter dem Strich blieben aber nur 604 Millionen Dollar Nettogewinn übrig – halb so viel wie im Vorjahresquartal. Bereinigt um Sondereffekte aus dem Konzernumbau lag der Gewinn bei 1,76 Dollar je Aktie und damit über den Erwartungen der Wall Street.

Der Amazon-Umbau ist abgeschlossen

Der Kursrückgang hat einen konkreten Auslöser: das Management rechnet für das dritte Quartal mit einem im mittleren einstelligen Prozentbereich sinkenden Tagesvolumen im US-Geschäft. Der Umsatz im Inlandsgeschäft soll gegenüber dem Vorjahr stagnieren. Grund ist saisonale Schwäche, aber auch der bewusste Rückzug aus dem margenschwachen Amazon-Geschäft.

Konzernchefin Carol Tomé bezeichnete diesen Rückzug als abgeschlossen. UPS hat rund zwei Millionen Pakete pro Tag an geringwertigem Amazon-Volumen gestrichen und dadurch Kosten von etwa 4,5 Milliarden Dollar eliminiert. Das Kalkül: ein schlankeres, stärker automatisiertes Netzwerk, das bei wachsendem Volumen wieder operative Hebelwirkung entfaltet.

Abseits von Amazon wuchs das Volumen im zweiten Quartal laut Tomé sogar. Das margenstärkere Geschäft mit Gesundheitslogistik erwirtschaftete bereits das zweite Quartal in Folge mehr als drei Milliarden Dollar Umsatz. Das Reorganisationsprogramm des Netzwerks hat bislang rund 1,2 Milliarden Dollar an Einsparungen gebracht, bis Jahresende sollen es drei Milliarden Dollar werden.

Positive Signale kommen auch aus dem internationalen Geschäft: Die Erlöse dort legten um 12,5 Prozent zu, angetrieben auch von der China-USA-Route, die seit Mai wieder wächst.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob der schlankere Zuschnitt des Netzwerks die schwächere Volumenbasis im dritten Quartal kompensieren kann. Sollte das Inlandsgeschäft tatsächlich wie angekündigt stagnieren, dürfte der Fokus der Anleger auf der Marge liegen – nicht auf dem reinen Umsatzwachstum.