Ein verändertes Machtgefüge in Washington verschafft dem Goldpreis neuen Auftrieb. Nach dem Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen kletterte die Feinunze am Mittwoch wieder über die Marke von 4.000 Dollar. Die Aussicht auf politischen Stillstand drückt den US-Dollar und lässt die Renditen von Staatsanleihen sinken, was das zinslose Edelmetall stützt.
Am Mittwochvormittag notierte Gold bei rund 4.030 Dollar. Damit löste sich der Kurs spürbar von seinem Tiefststand am 30. Oktober, als das Edelmetall bei 3.870 Dollar gehandelt worden war.
Wahlausgang bremst den Dollar
Die Demokraten stellen künftig die Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus. Präsident Donald Trump dürfte damit auf erhebliche Hürden bei geplanten Steuersenkungen und Staatsausgaben stoßen. An den Finanzmärkten mehrten sich die Erwartungen an eine Blockade im Kongress.
Diese Gemengelage drückte die US-Währung auf das Niveau von Ende September. Ein nachgebender Dollar verbilligt das Edelmetall für Käufer außerhalb des Dollarraums. Parallel dazu sanken die Renditen von US-Staatsanleihen. Fällt dieser Zinsertrag geringer aus, wird das Halten von Gold im Vergleich zu Anleihen wieder attraktiver.
Gegenwind durch die Zinspolitik
Allerdings ist der Weg nach oben keineswegs frei von Hindernissen. Die US-Notenbank Federal Reserve beließ ihren Leitzins am 28. Oktober in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Die Terminmärkte preisen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 79 Prozent für eine Zinsanhebung im Dezember ein. Steigende Zinsen würden den aktuellen Rückenwind durch den schwächeren Dollar wieder dämpfen.
Hinzu kommen die Risiken durch den anhaltenden Iran-Krieg. Der Konflikt trieb die Anleger bislang kaum in Gold, sondern wirkte sich vor allem auf die Ölpreise aus. Teureres Rohöl schürt Inflationssorgen, was wiederum die Zinsaussichten nach oben treibt.
Strukturellen Rückhalt bieten unterdessen die Notenbanken. Diese kauften im dritten Quartal 2026 weltweit 321 Tonnen Gold, was einem Zuwachs von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Während die Bestände von Gold-ETFs auf Rekordniveau stiegen, sank die Nachfrage nach Barren und Münzen jedoch um 19 Prozent.
Der nächste Impuls für die Zins- und Währungserwartungen folgt bereits am kommenden Freitag. Der anstehende US-Arbeitsmarktbericht wird darüber entscheiden, ob die Märkte an ihren Erwartungen für eine Zinserhöhung im Dezember festhalten.


