Rund 41 Prozent Kursverlust seit Jahresbeginn, ein frischer Short von Citadel Advisors und eine Aktienregistrierung für knapp 32 Millionen Papiere — Valneva steckt in einer ungemütlichen Lage. Der Kurs schloss am Freitag bei 2,27 Euro und liegt damit nur 6,5 Prozent über dem 52-Wochen-Tief.
Aktienüberhang und Short-Druck
Das Timing ist ungünstig. Während das Management gerade eine Investorenrundreise durch die USA und Europa absolviert, hat Citadel Advisors eine neue Short-Position offengelegt. Parallel dazu registriert Valneva fast 31,8 Millionen Aktien zur Weiterveräußerung durch bestehende Investoren. Das Unternehmen selbst erhält aus diesen Verkäufen keinen Erlös.
Einzige Ausnahme: Werden alle ABSA-Warrants aus der Privatplatzierung vom 29. April 2026 gegen Barzahlung ausgeübt, fließen bis zu 47 Millionen Euro in die Kasse. Ob das passiert, ist offen.
Restrukturierung trifft schwaches Geschäft
Der Kursrückgang spiegelt auch operative Probleme wider. Valneva senkte die Umsatzprognose für Produktverkäufe auf 135 bis 150 Millionen Euro — zuvor waren 145 bis 160 Millionen Euro angepeilt. Grund ist eine schwächere Nachfrage nach Reiseimpfstoffen.
Als Reaktion plant das Unternehmen einen weltweiten Stellenabbau von 10 bis 15 Prozent. Ende 2025 beschäftigte Valneva 674 Mitarbeiter. Das bedeutet: Zwischen 67 und 101 Stellen fallen weg. Die Betriebskosten sollen 2026 um 25 bis 35 Prozent unter das Niveau von 2025 sinken.
Lyme-Impfstoff als Hoffnungsträger
Das langfristige Argument der Unternehmensführung heißt LB6V. Der Lyme-Borreliose-Impfstoffkandidat wird gemeinsam mit Pfizer entwickelt. Phase-3-Daten aus der VALOR-Studie zeigen eine Wirksamkeit von über 70 Prozent bei Patienten ab fünf Jahren — ohne auffällige Sicherheitsprobleme.
Pfizer will noch im Herbst 2026 Zulassungsanträge bei FDA und EMA einreichen. Ein Marktstart ist für 2027 geplant. Das ist der Kern der Investorenpräsentationen beim Jefferies Global Healthcare Conference in New York und zwei weiteren Konferenzen in Paris.
Sechs Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, einer zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 5,23 Euro — mehr als doppelt so hoch wie der aktuelle Kurs. H.C. Wainwright-Analyst Brandon Folkes bestätigte sein Kaufvotum zuletzt Ende Mai.
Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 2,50 Euro, der RSI bei 38,3 — technisch kein ermutigender Befund. Die Hauptversammlung Ende Juni in Lyon könnte ein nächster Stimmungstest werden. Bis dahin dürfte der Aktienüberhang aus der F-3-Registrierung den Kurs weiter belasten.
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