Valneva kämpft mit einem massiven Vertrauensverlust an der Börse. Die Aktie des Impfstoffherstellers rutschte zuletzt auf ein neues Jahrestief bei 2,03 Euro. Damit setzt sich eine Abwärtsspirale fort, die seit Jahresbeginn fast die Hälfte des Börsenwerts vernichtet hat.

Wetten gegen den Aufschwung

Spekulanten setzen verstärkt auf weiter fallende Kurse. Die Netto-Leerverkaufspositionen kletterten zuletzt auf 4,31 Prozent des Kapitals. Mehrere Hedgefonds, darunter GSA Capital und D.E. Shaw, haben ihre Wetten gegen das Unternehmen im Sommer gefestigt oder ausgebaut.

Trotz des Verkaufsdrucks liefert die Charttechnik einen statistischen Lichtblick. Der Relative-Stärke-Index (RSI) ist auf 29,7 gefallen. Ein Wert unter 30 gilt unter Tradern als Signal für eine überverkaufte Aktie. Dies deutet oft auf eine kurzfristige Stabilisierung hin, ändert aber nichts am negativen Gesamttrend.

Rückschläge in der Pipeline

Die fundamentale Lage bleibt angespannt. Im Januar zog Valneva den Zulassungsantrag für IXCHIQ, einen Impfstoff gegen das Chikungunya-Virus, in den USA freiwillig zurück. Ein klinischer Stopp der FDA durchkreuzte die Pläne für den amerikanischen Markt vorerst komplett.

Parallel dazu richten Marktteilnehmer ihre Aufmerksamkeit auf den Hoffnungsträger VLA15 gegen Borreliose. In der Phase-3-Studie mit dem Partner Pfizer verfehlte das Mittel zwar ein statistisches Kriterium. Dennoch belegte die Untersuchung eine klinische Wirksamkeit von 73,2 Prozent. Pfizer plant weiterhin, die Zulassung basierend auf der Gesamtheit der vorliegenden Daten zu beantragen.

Konzernumbau unter Hochdruck

Das Management reagiert mit strukturellen Veränderungen auf die Krise. Das Unternehmen verlegte seinen Hauptsitz nach Lyon und ernannte Gerd Zettlmeissl zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrats. Diese Maßnahmen sind Teil eines Transformationsprogramms. Das Ziel: Bis 2027 will der Konzern finanziell unabhängig agieren.

Klarheit über den Erfolg der Sparmaßnahmen liefern die Halbjahreszahlen im August 2026. In diesem Bericht wird das Management auch den Zeitplan für die Borreliose-Zulassungsanträge präzisieren müssen. Verteidigt die Aktie die Unterstützung bei 2,03 Euro nicht, rücken weitere Tiefststände in den Fokus.