Nach einem bewegten Sommer richtet sich der Blick beim Impfstoffhersteller Valneva nun auf die kommenden Wochen. Das Unternehmen steuert auf den Abschluss wichtiger klinischer Studien zu, deren Ergebnisse noch im laufenden dritten Quartal 2026 erwartet werden.

Im Zentrum steht dabei der Impfstoffkandidat S4V2 gegen Shigellen, eine bakterielle Infektionskrankheit. Parallel dazu treibt die Konzernführung die strategische Neuausrichtung voran, um die finanzielle Basis des Unternehmens zu stabilisieren.

Klinische Meilensteine und Studienfortschritte

Die Spannung bei den Anlegern steigt mit Blick auf den Kandidaten S4V2. Aktuell laufen zwei Phase-2-Studien: eine Untersuchung zur Sicherheit und Immunogenität bei Kleinkindern sowie eine sogenannte Human-Challenge-Studie der Phase 2b, die von der LimmaTech Biologics AG gesponsert wird. Die Veröffentlichung der Daten aus beiden Studien ist für das dritte Quartal 2026 angekündigt.

Diese Ergebnisse werden für die künftige Ausrichtung von Valneva eine entscheidende Rolle spielen. Auf Basis der klinischen Daten wird das Management entscheiden, ob das Unternehmen die Verantwortung für die späten Phasen der klinischen Entwicklung übernimmt. Ein Erfolg in diesem Bereich könnte das Portfolio neben den bestehenden Reiseimpfstoffen und dem Borreliose-Projekt signifikant erweitern.

Strategische Transformation und Standortverkauf

Zeitgleich befindet sich Valneva in einem umfassenden Umstrukturierungsprogramm. Ziel ist es, die Betriebsabläufe zu straffen und die Kosten zu senken. Ein wesentlicher Teil dieses Plans ist die Konsolidierung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten am Standort Wien. Dies geht mit einer Reduzierung der weltweiten Belegschaft und einer Neupriorisierung der Projekte einher.

Ein konkreter Schritt dieser Transformation steht unmittelbar bevor: Der Verkauf des Produktionsstandorts in Nantes an Nantes Métropole soll noch im September 2026 abgeschlossen werden. Laut Unternehmensangaben wurde hierfür eine vorläufige Vereinbarung über einen Kaufpreis von 6,2 Millionen Euro unterzeichnet. Diese Maßnahme soll dazu beitragen, den operativen Cash-Burn zu begrenzen, der im ersten Halbjahr bei 13,7 Millionen Euro lag.

Marktlage und Ausblick auf das Gesamtjahr

An der Börse spiegeln sich die Herausforderungen der vergangenen Monate wider. Am Freitag schloss das Papier bei 2,87 Euro. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie damit einen Rückgang von 23 %. Dennoch notiert der Kurs aktuell 14 % über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 2,52 Euro, was auf eine leichte Stabilisierung in den vergangenen Wochen hindeutet.

Trotz eines Umsatzrückgangs in der ersten Jahreshälfte, der unter anderem auf Liefertermine beim US-Verteidigungsministerium und Umstellungen im deutschen Vertrieb zurückzuführen war, hält Valneva an seiner Prognose fest. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet die Geschäftsführung weiterhin Produktumsätze zwischen 135 und 150 Millionen Euro.

Ein wichtiger Faktor bleibt dabei die Entwicklung des Borreliose-Impfstoffkandidaten, für den die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) am vergangenen Mittwoch den Zulassungsantrag zur Prüfung validiert hat.

Zusätzliche Impulse erhofft sich das Unternehmen von der weiteren Markteinführung des Chikungunya-Impfstoffs IXCHIQ. In Brasilien wurden im Rahmen einer Pilotkampagne bereits mehr als 50.000 Erwachsene geimpft. Während die operativen Verluste im ersten Halbjahr deutlich anstiegen, verfügte das Unternehmen zuletzt über eine Liquidität von 121,5 Millionen Euro, was den Spielraum für die laufenden klinischen Programme und den Umbau sichern soll.