Valneva hat am Donnerstag die Finanzziele für das laufende Geschäftsjahr bestätigt, obwohl das erste Halbjahr schwach ausfiel. Der Impfstoffhersteller rechnet weiterhin mit Produktumsätzen zwischen 135 und 150 Millionen Euro sowie Gesamterlösen von 145 bis 160 Millionen Euro. Die Botschaft an Anleger: Der Rückschlag der vergangenen Monate soll ein temporäres Kapitel bleiben.

Schwaches Halbjahr, harte Einschnitte

Die Zahlen aus der vergangenen Woche zeigen das Ausmaß der Belastung. Im ersten Halbjahr 2026 fielen die Gesamterlöse auf 65,8 Millionen Euro, nach 97,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Der Nettoverlust weitete sich auf 63,3 Millionen Euro aus, mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts von 20,8 Millionen Euro. Ursache waren unter anderem Einmalbelastungen von 14,2 Millionen Euro im Zusammenhang mit der Rücknahme der Vermarktung des Chikungunya-Impfstoffs IXCHIQ.

Um die Barmittelabflüsse einzudämmen, hat Valneva ein globales Restrukturierungsprogramm eingeleitet. Geplant ist ein Stellenabbau von 10 bis 15 Prozent der Belegschaft. Zusätzlich einigte sich das Unternehmen vorläufig mit Nantes Métropole auf den Verkauf des Standorts Saint-Herblain für 6,2 Millionen Euro; der Abschluss der Transaktion wird für September erwartet.

Zum 30. Juni verfügte Valneva über eine Kassenposition von 121,5 Millionen Euro, gestützt durch eine reservierte Kapitalerhöhung von rund 37 Millionen Euro im April.

IXCHIQ-Beschränkungen aufgehoben

Neben den Sparmaßnahmen gab es auch eine regulatorische Entlastung. Der Pharmakovigilanz-Ausschuss der Europäischen Arzneimittel-Agentur (PRAC) schloss seine Überprüfung von IXCHIQ ab und hob die im Mai eingeführten temporären Einschränkungen für die Impfung von Personen ab 65 Jahren auf. Diese waren nach Berichten über schwere Nebenwirkungen verhängt worden.

Für Valneva ist das ein Etappensieg, der zumindest einen Teil des Vertrauens in die Chikungunya-Sparte zurückbringen könnte, auch wenn der kommerzielle Schaden der vergangenen Monate bestehen bleibt.

Blick nach vorn: Lyme-Impfstoff und Shigella-Daten

Die mittelfristige Perspektive des Unternehmens hängt maßgeblich am Lyme-Impfstoffkandidaten PF-07307405, den Valneva gemeinsam mit Pfizer entwickelt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat den Zulassungsantrag validiert – ein Novum, denn erstmals durchläuft ein Impfstoff gegen Borreliose ein formales Zulassungsverfahren in Europa.

Basis ist die Phase-3-Studie VALOR mit 9.437 Teilnehmern, die eine Wirksamkeit von 73,2 Prozent in der primären Analyse zeigte, wenngleich die Studie ihre ursprüngliche statistische Schwelle wegen geringerer Fallzahlen als erwartet verfehlte.

Kommerziell bedeutet das Abkommen mit Pfizer für Valneva ein margenstärkeres Geschäftsmodell: Vorgesehen sind gestaffelte Lizenzgebühren von 14 bis 22 Prozent auf die Umsätze des Lyme-Impfstoffs, dazu Meilensteinzahlungen von bis zu 143 Millionen US-Dollar für die frühe Vermarktung sowie bis zu 100 Millionen US-Dollar für kumulierte Verkaufsziele.

Für das dritte Quartal stehen zudem Ergebnisse aus zwei Phase-2-Studien zum tetravalenten Shigella-Impfstoffkandidaten S4V2 an, der von LimmaTech lizenziert wurde. Weitere regulatorische Entscheidungen der EMA sowie ein möglicher FDA-Antrag von Pfizer für den Lyme-Impfstoff werden innerhalb der kommenden zwölf Monate erwartet.

Kursreaktion bleibt verhalten

Der Aktienkurs spiegelt die gemischte Gemengelage wider. Nach einer kräftigen Rallye von 38 Prozent binnen 30 Tagen gab das Papier zuletzt nach und verlor auf Wochensicht 4,1 Prozent, während es am Freitag mit 2,94 Euro nahezu unverändert schloss.

Seit Jahresbeginn steht bei Valneva weiterhin ein Minus von 21 Prozent zu Buche. Anleger honorieren offenbar die Fortschritte beim Lyme-Programm, bleiben angesichts der schwachen Halbjahreszahlen und der laufenden Restrukturierung aber vorsichtig.