Der VanEck Seltene Erden ETF (ISIN IE0002PG6CA6) bleibt unter Druck. Der Fonds notiert nur noch knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 10,00 Euro, das er am 13. Oktober markierte, und hat damit auf 12-Monats-Sicht 24 Prozent an Wert verloren. Der jüngste Rückgang hat einen konkreten Auslöser: Anleger zweifeln zunehmend daran, wie schnell Unternehmen aus dem Bereich kritischer Metalle tatsächlich Umsätze erzielen können.

Sorge um Entwicklungsphase statt um Rohstoffpreise

Medienberichten zufolge gerieten Aktien aus dem Bereich kritischer Metalle an zwei aufeinanderfolgenden Handelstagen unter Verkaufsdruck, weil Investoren neu bewerteten, wie lange Unternehmen in der Entwicklungsphase noch bis zu nennenswerten Einnahmen brauchen. Der VanEck Rare Earth ETF habe an einem dieser Tage 3 Prozent verloren.

Zum Vergleich: MP Materials, das bereits über eine aktive Mine und laufende Erlöse verfügt, habe deutlich geringere Verluste verzeichnet. Diese Diskrepanz verweist auf das eigentliche Problem der Branche – nicht fehlende Nachfrage, sondern die Frage, welche Firmen schon Umsatz generieren und welche noch Jahre an Vorlaufzeit benötigen.

Für den ETF, der ein breites Spektrum an Explorations- und Entwicklungsunternehmen abbildet, trifft dieser Stimmungsumschwung besonders hart. Anders als etablierte Förderer mit laufendem Cashflow hängt der Großteil der im Index enthaltenen Werte von künftigen Projekten ab, deren Zeithorizont Anleger derzeit kritischer hinterfragen als noch vor wenigen Wochen.

Rohstoffmarkt liefert keine klare Richtung

Auch von der Rohstoffseite kommt derzeit kein stabilisierendes Signal. Chinesische Preise für Seltene Erden entwickelten sich zuletzt uneinheitlich: Praseodym-Neodym-Oxid und die entsprechende Legierung legten leicht zu, während Terbiumoxid und Terbiummetall deutlich nachgaben.

Als Grund für die Stärke bei den leichten Seltenen Erden nannte der Branchendienst SMM feste Rohstoffpreise und solide nachgelagerte Nachfrage, während sich mittelschwere und schwere Seltene Erden abschwächten.

Hinzu kommt ein saisonaler Effekt: Chinas Nationalfeiertag bremste den Handel mit Seltenen Erden, und vorgezogene Käufe vor der Feiertagspause hinterließen bei Abnehmern bereits ausreichende Lagerbestände. Das dürfte laut SMM kurzfristig auf die Oxidpreise drücken, während Metall- und Magnetpreise stabil blieben. Der Markt warte nun auf die saisonal starke Nachfrage im vierten Quartal – ein Hoffnungsschimmer, der sich aber erst noch bestätigen muss.

Technisches Bild bleibt angespannt

Der Kurs des ETF liegt mit 10,16 Euro rund 46 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 18,76 Euro und notiert deutlich unterhalb sämtlicher gleitender Durchschnitte, etwa 30 Prozent unter der 200-Tage-Linie.

Der Relative-Stärke-Index von 24,5 signalisiert eine stark überverkaufte Lage, was technisch für eine Gegenbewegung sprechen könnte, ohne dass die fundamentalen Zweifel an den Entwicklungszeiträumen der Branche damit ausgeräumt wären.

Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Einerseits nähren divergierende Rohstoffpreise und Lagerbestände kurzfristige Unsicherheit, andererseits hängt die mittelfristige Kursentwicklung des Fonds maßgeblich davon ab, ob die im Index vertretenen Entwicklungsunternehmen den Sprung zur tatsächlichen Produktion schneller schaffen, als der Markt derzeit einpreist.