Der VanEck Seltene Erden ETF (ISIN IE0002PG6CA6) steckt in einer Verkaufswelle, für die sich keine eindeutige Erklärung finden lässt. Am Freitag schloss der Fonds bei 9,61 Euro, ein Minus von 1,1 Prozent – auf Wochensicht steht ein Rückgang von 10 Prozent zu Buche. Bemerkenswert ist dabei, dass weder die Rohstoffpreise noch die Handelspolitik derzeit einen klaren Grund liefern.
Rohstoffpreise geben keine eindeutigen Signale
Die Shanghai Metals Market berichtete am Donnerstag, dass die Preise für Praseodym-Neodym-Oxid leicht nachgaben, während die Legierungsnotierungen angesichts schleppender Nachfrage weiter fielen.
Bereits tags zuvor hatte die gleiche Quelle vermeldet, dass sich Pr-Nd-Oxid auf hohem Niveau hielt, die tatsächlichen Transaktionen jedoch schleppend blieben – Abnehmer deckten sich nur für den unmittelbaren Bedarf ein. Gadolinium-Oxid-Notierungen gaben parallel nach. Von einem klaren, sektorweiten Preiskollaps kann bei dieser Gemengelage keine Rede sein.
Auch die chinesischen Exportzahlen zeichnen kein eindeutiges Bild. Im September verließen 4.269,8 Tonnen Seltene Erden das Land, ein Plus von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, aber ein Rückgang von 9,8 Prozent gegenüber August.
Für die ersten neun Monate summierten sich die Exporte auf 43.711 Tonnen, ein Minus von 9,6 Prozent im Jahresvergleich. Diese gemischten Daten liefern keinen klaren Beleg für einen neuen Angebotsschock, der den jüngsten Kursrutsch des Fonds erklären würde.
Handelsabkommen zwischen EU und China als möglicher Dämpfer
Am 9. Oktober einigten sich die Europäische Union und China Berichten der Nachrichtenagentur AP zufolge auf eine vorläufige Handelsvereinbarung, die Maßnahmen zur Stabilisierung der Lieferketten für Seltene Erden sowie erleichterte chinesische Exportlizenzen für Seltene Erden und Permanentmagnete vorsieht.
Eine solche Entspannung der Lieferkettenspannungen könnte die Knappheitsprämie gedrückt haben, die Anleger bislang auf Produzenten von Seltenen Erden zahlten. Ein direkter kausaler Zusammenhang mit dem Kursverfall des Fonds lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Dass der Ausverkauf nicht auf eine einzelne Nachricht zurückgeht, deutete sich bereits Anfang Oktober an. 24/7 Wall St. berichtete am 7. Oktober über breite Verkäufe bei Seltene-Erden-Unternehmen wie MP Materials und USA Rare Earth, ohne dass unternehmensspezifische Nachrichten die Rückgänge erklärten – die Publikation beschrieb den Druck als sektorweites Phänomen.
Genau dieses Muster setzt sich fort: Einzelfaktoren bewegen sich in unterschiedliche Richtungen, doch in der Summe bleibt der Abwärtsdruck auf den gesamten Sektor bestehen.
Was die Gemengelage für Anleger bedeutet
Für Anleger im VanEck Seltene Erden ETF bleibt die Lage unübersichtlich. Weder die Rohstoffpreise noch die Exportstatistiken noch die diplomatische Annäherung zwischen Brüssel und Peking liefern eine schlüssige Erklärung für das Ausmaß der jüngsten Verluste.
Der Fonds notiert mittlerweile 49 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 18,76 Euro vom 11. Mai – ein Abstand, der die Schwere der Korrektur verdeutlicht. Solange sich keine eindeutige fundamentale Ursache für die Verkaufswelle identifizieren lässt, dürfte die Nervosität im Sektor anhalten.
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