Am Freitag verzeichnete der VanEck Seltene Erden ETF einen Kurszuwachs von 2,7 % und schloss bei einem Stand von 9,14 Euro. Diese Erholung bietet den Anlegern ein kurzes Aufatmen in einem bislang schwierigen Marktumfeld, da das Papier seit Jahresbeginn ein Minus von 27 % aufweist.
Wesentlicher Impulsgeber für die positive Stimmung im Sektor waren am Freitag die jüngsten Geschäftszahlen des Branchenschwergewichts MP Materials, die auf eine anziehende Nachfrage nach strategisch wichtigen Magnet-Materialien hindeuten.
MP Materials liefert Absatzrekord bei Magnet-Materialien
Das US-Unternehmen MP Materials überraschte den Markt am Freitag mit einem bereinigten Quartalsgewinn, der über den Erwartungen lag. Ein wesentlicher Treiber war das Absatzvolumen von Seltenen Erden für die Magnetherstellung, das sich im Jahresvergleich nahezu verdoppelt hat. Besonders deutlich fiel das Wachstum bei Neodym-Praseodym (NdPr) aus: Hier stiegen die Verkaufszahlen um 94 % auf insgesamt 1.020 Tonnen.
Neben den reinen Absatzzahlen berichtete das Unternehmen über Fortschritte in der vertikalen Integration. MP Materials hat die Qualifizierung für die Magnetproduktion mit dem Automobilkonzern General Motors erfolgreich abgeschlossen. Es wird erwartet, dass bereits im vierten Quartal erste umsatzrelevante Lieferungen erfolgen.
Diese Entwicklung wird am Markt als wichtiges Signal gewertet, dass der Aufbau einer westlichen Wertschöpfungskette für Hochleistungsmagnete, die für die Elektromobilität essenziell sind, voranschreitet.
China-Exportfristen sorgen für Unsicherheit
Trotz der positiven Impulse durch Einzelwerte bleibt das makroökonomische Umfeld für den ETF angespannt. Ein kritischer Termin steht am kommenden Dienstag, den 10. November, bevor: Dann läuft die aktuelle Aussetzung der erweiterten chinesischen Exportkontrollen für Seltene Erden aus.
Medienberichten zufolge gibt es bisher keine offiziellen Hinweise auf eine Verlängerung dieser Pause. Sollte China die Kontrollen wieder verschärfen, könnte dies die weltweite Versorgungslage erneut unter Druck setzen.
Zusätzliche geopolitische Spannungen resultieren aus dem Handelsverhältnis zwischen den USA und China. Laut Berichten von Reuters drängen US-Regierungsvertreter Peking derzeit massiv dazu, die Verpflichtungen aus dem Busan-Handelsabkommen zu erfüllen.
Das US-Finanzministerium gab an, dass China bislang nur etwa zwei Drittel der zugesagten Mengen an Seltenen Erden geliefert habe. Diese Diskrepanz schürt Befürchtungen über eine strategische Verknappung als politisches Druckmittel.
Neue Förderprojekte in Kenia und Brasilien
Abseits der großen Handelskonflikte gibt es Bestrebungen, die Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern durch neue Projekte zu verringern. In Kenia werden derzeit fünf konkrete Vorschläge zur Erschließung des Mrima Hill-Projekts geprüft. Wie die Associated Press berichtete, wird innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen eine Entscheidung über die Vergabe der Entwicklungsrechte für dieses Seltenerd- und Niobvorkommen erwartet.
Parallel dazu treiben Industrieunternehmen ihre eigene Rohstoffsicherung voran. Das Unternehmen Solvay gab bekannt, eine Abnahmevereinbarung mit Viridis unterzeichnet zu haben. Diese sichert Solvay den Zugriff auf Seltenerd-Carbonate aus dem brasilianischen Colossus-Projekt bis zum Jahr 2034. Solche langfristigen Lieferverträge sind für die Industrie entscheidend, um die Produktion von Komponenten für die Energiewende unabhängig von kurzfristigen Marktverwerfungen zu gestalten.
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