Der VanEck Semiconductor ETF ist zum Stimmungsbarometer für die größte Frage dieses Sommers geworden. Gibt Big Tech weiter genug Geld für KI-Infrastruktur aus, damit Chiphersteller ihr Wachstumstempo halten können? Microsofts Quartalszahlen vom 29. Juli lieferten eine beruhigende Antwort. Die Reaktion an den Chipmärkten fiel entsprechend heftig aus.

Microsoft überzeugt, Meta enttäuscht

Microsoft legte nachbörslich um 8,13 Prozent zu. Der Cloud-Bereich Azure wuchs um 43 Prozent. Zum ersten Mal überschritt der Azure-Umsatz im Geschäftsjahr 2026 die Marke von 100 Milliarden Dollar.

Bei Meta sah das Bild anders aus. Die Aktie brach um mehr als 9 Prozent ein. Der Gewinn je Aktie lag bei 6,18 Dollar und verfehlte die Analystenschätzungen um 1,04 Dollar. Zusätzlich schockte Meta mit einer Kapitalausgaben-Prognose von mindestens 130 Milliarden Dollar für KI-Investitionen – und einem schwachen Umsatzausblick für das dritte Quartal zwischen 61 und 64 Milliarden Dollar, am unteren Ende unter der Analystenerwartung von 63,15 Milliarden Dollar.

Der Kontrast zwischen beiden Konzernen traf einen empfindlichen Nerv. Der jüngste Ausverkauf bei Chipaktien galt vielen als Signal, dass die Investitionswelle in KI-Rechenzentren bald ihren Höhepunkt erreicht. Microsofts stabiler Ausgabenausblick widersprach dieser These zumindest teilweise.

Ein Markt unter Spannung

Die Zahlen kamen zu einem Zeitpunkt extremer Nervosität. Die implizite Ein-Monats-Volatilität von SMH sprang um fünf Punkte auf ein Jahreshoch von 59 Prozent. Der Volatilitätsaufschlag von SMH gegenüber dem S&P 500 weitete sich auf einen Rekordwert von 44 Prozent aus – nach Angaben der Optionsbörse Cboe mehr als fünf Standardabweichungen über dem historischen Durchschnitt.

Diese angespannte Positionierung erklärt, warum Chipaktien rund um die Berichtssaison so heftig ausschlugen. Bereits Tage zuvor hatte der Sektor Verluste wettgemacht. SMH war gegenüber dem 30. Juni um rund 18 Prozent gefallen, bevor eine scharfe Erholung einsetzte. Getragen wurde diese Rally auch von starken Zahlen der Chip-Ausrüster.

Lam Research lieferte dabei den klarsten Auslöser. Der Umsatz im Juni-Quartal stieg um 15,1 Prozent auf 6,72 Milliarden Dollar. Für das September-Quartal stellte das Unternehmen 8,10 Milliarden Dollar in Aussicht – deutlich über der Analystenschätzung von 7,09 Milliarden Dollar.

Die Schwergewichte im ETF

SMH bündelt einen Großteil seines Vermögens in KI-nahen Chipherstellern. Jede Aussage der Hyperscaler zu Investitionsplänen wirkt sich deshalb direkt auf die Wertentwicklung des Fonds aus. Die größten Positionen:

  • Nvidia: 20,78 Prozent
  • Taiwan Semiconductor Manufacturing Company: 9,18 Prozent
  • Broadcom: 6,19 Prozent
  • Advanced Micro Devices: 6,00 Prozent
  • Micron Technology: 5,28 Prozent

Jeder dieser Werte wurde in den vergangenen Wochen hin- und hergerissen: zwischen wechselnder Stimmung zu KI-Infrastrukturausgaben, Nachrichten zu US-Exportkontrollen gegenüber China und Preisschwankungen bei Speicherchips.

Der Blick richtet sich nun auf Amazon, den letzten der vier großen Hyperscaler, der noch berichten muss. Die Cloud- und Investitionszahlen von AWS gelten als nächster möglicher Wendepunkt für die Stimmung im Chipsektor – schließlich steckt auch Amazon massiv in KI-optimierte Rechenzentren.

Sentiment gegen Fundamentaldaten

Unter Analysten besteht Uneinigkeit darüber, ob die Volatilität des Sommers echte Nachfragerisiken widerspiegelt oder lediglich einen überfüllten Trade, der sich auflöst. Der Chef-Aktienstratege von Morningstar ordnete den vorangegangenen Ausverkauf verhalten ein: Der Rückgang sei „größtenteils von Stimmung statt von Fundamentaldaten getrieben“ gewesen, schlicht ein „Vertrauensverlust“. Viele KI-Werte böten weiterhin Aufwärtspotenzial, so der Stratege – allerdings handle es sich um Wachstumsaktien, deren Wert stark von künftigen Cashflows abhänge und damit viel Vertrauen der Anleger voraussetze.

Der Investmentchef für Aktien bei Standard Chartered äußerte sich ähnlich konstruktiv zu den langfristigen Aussichten des Sektors. Der Markt sei groß genug, damit mehrere Anbieter gleichzeitig profitieren und nebeneinander bestehen könnten, so seine Einschätzung. Der KI-Investitionszyklus stütze weiterhin die führenden Technologiekonzerne.

Für SMH-Anleger bleibt die Marktlage angespannt. Amazons Zahlen stehen noch aus. Ob die Aussagen der Hyperscaler zu ihren Investitionsplänen den KI-Infrastrukturaufbau weiter bestätigen oder ihn infrage stellen, dürfte über die kurzfristige Richtung des Fonds entscheiden.