Der Halbleitersektor blickt gebannt auf den heutigen Mittwoch: Nach US-Börsenschluss veröffentlicht Nvidia seine Quartalszahlen, und für den VanEck Semiconductor UCITS ETF ist es der wichtigste Termin der Woche. Der ETF, der die größten Namen der Chipbranche bündelt, schloss am Dienstag bei 89,49 Euro und legte damit 1,7 Prozent zu – ein Vorgeschmack auf die Nervosität, die den Markt vor der Berichtssaison-Kür erfasst hat.

Die Erwartungen an Nvidia sind hoch, aber nicht mehr euphorisch. Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 91 bis 92 Milliarden Dollar für das zweite Quartal, ein Plus von etwa 96,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das dritte Quartal wird ein weiterer Sprung auf mehr als 104 Milliarden Dollar erwartet, getragen von der neuen Rubin-Prozessorgeneration, die im Herbst anlaufen soll.

Historisch betrachtet notiert die Nvidia-Aktie laut Wall-Street-Beobachtern rund 30 Tage nach Quartalsberichten im Schnitt niedriger, selbst wenn die Zahlen die Erwartungen übertreffen – ein Muster, das Anleger im Hinterkopf behalten dürften.

Sieben-Tage-Talfahrt beendet

Nvidia selbst hatte vor dem Bericht die längste Verlustserie seit 2022 hinter sich, sieben Handelstage in Folge ging es abwärts. Am Dienstag drehte die Aktie und legte rund zwei Prozent zu, während der breitere Philadelphia Semiconductor Index sich ebenfalls erholte. Diese Gegenbewegung spiegelt sich auch in den US-Leitindizes: Dow, S&P 500 und Nasdaq schlossen am Dienstag im Plus, begünstigt durch fallende Anleiherenditen und sinkende Ölpreise.

Nicht nur Nvidia sorgt für Bewegung im Sektor. AMD-Aktien legten am Dienstag um fast fünf Prozent zu, während ein Analyst von Seeking Alpha weiterhin eine Hold-Einstufung für AMD hält und vor Verwässerungsrisiken durch Warrants mit OpenAI und Meta warnt, die laut der Analyse fast ein Fünftel des Streubesitzes ausmachen könnten.

Auch Insiderverkäufe bei AMD, einschließlich des CEO, werden kritisch beobachtet. Super Micro Computer legte am Dienstag sogar 9,4 Prozent zu, nachdem Cisco die flüssigkeitsgekühlten Nvidia-Racks des Unternehmens in seine Secure-AI-Factory-Plattform aufgenommen hatte.

Spekulatives Geld strömt in gehebelte Chip-Wetten

Bemerkenswert ist das Verhalten südkoreanischer Privatanleger: Zwischen dem 17. und 24. August kauften sie netto umgerechnet rund 713 Millionen Dollar des dreifach gehebelten Chip-ETFs SOXL – ein Zeichen dafür, wie sehr Kleinanleger weltweit auf den Nvidia-Bericht setzen. Gleichzeitig warnte ein von CNBC zitierter Chip-Analyst, die Sektorgruppe könne noch einmal um bis zu zehn Prozent fallen, sollte der Bericht enttäuschen.

Bewertung bleibt Streitpunkt

Der Halbleiter-ETF SMH, ein enger Vergleichswert zum VanEck-Fonds, wird nach einer Analyse von GurufOcus mit rund 27 Prozent Aufschlag gegenüber seinem geschätzten fairen Wert gehandelt, bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 27. Goldman Sachs verweist zudem auf eine zunehmende Divergenz zwischen Halbleiter- und Softwaretiteln innerhalb der Technologiebranche.

Für den VanEck Semiconductor UCITS ETF bleibt der Blick auf die technische Verfassung aufschlussreich: Mit einem RSI von 43,5 ist das Papier weder überkauft noch überverkauft, notiert aber gut sieben Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 96,52 Euro – ein Zeichen dafür, dass die jüngste Konsolidierung noch nicht überwunden ist. Der heutige Nvidia-Bericht dürfte darüber entscheiden, ob der Fonds diese Marke rasch zurückerobert oder die Schwächephase sich fortsetzt.