Bei VAT Group entscheidet nicht allein die Stärke der Nachfrage über die weitere Bewertung, sondern auch deren Umsetzung in Umsatz. Der Quartalsbericht vom 15. Oktober dokumentiert einen Rekordauftragseingang. Die Unsicherheit über den Zeitpunkt der Umsatzrealisierung erklärt Medienberichten zufolge jedoch einen Teil des anschließenden Kursdrucks. Die Analystenreaktionen vom 16. Oktober unterstreichen die unterschiedlichen Erwartungen.

Hoher Auftragsbestand, offene Umsatzverteilung

Für das dritte Quartal 2026 meldete VAT kräftiges Wachstum. Der Ausbau von KI-Rechenzentren und die Knappheit modernster Logik- und Speicherchips trieben nach Angaben von Finanzchef Fabian Chiozza die Nachfrage.

Der Auftragseingang erreichte CHF 696,6 Mio., der Nettoumsatz CHF 376,4 Mio. Der Auftragsbestand stieg auf CHF 979,5 Mio.

Für Anleger ist dabei die Unterscheidung zwischen Bestellungen und bereits realisierten Erlösen entscheidend. Der Auftragsbestand gibt Hinweise auf künftiges Geschäft. Er beantwortet aber nicht automatisch die Frage, wann sich die Nachfrage in den Umsatzzahlen niederschlägt.

Gegenüber dem Vorjahresquartal legte der Auftragseingang um 192,6 % zu. Der Nettoumsatz wuchs um 45,9 %. Im Halbleitergeschäft betrug der Auftragszuwachs Medienberichten zufolge sogar 270 %.

Die KI-getriebene Nachfrage hat damit eine doppelte Bedeutung: Sie stützt das Geschäft, zugleich belasteten Sorgen vor einem möglichen Überausbau entsprechender Kapazitäten die Börsenreaktion. Als weitere Gründe für den Rückgang am Berichtstag nannten Medienberichte das schwache Chip-Branchenumfeld und Gewinnmitnahmen.

Ausblick setzt auf weitere Expansion

Für das vierte Quartal 2026 erwartet VAT einen Umsatz von CHF 420–450 Mio. Zugleich sollen die neuen Bestellungen erneut über den Erlösen liegen.

Damit rechnet das Unternehmen nicht damit, dass der hohe Auftragsbestand durch die erwartete Umsatzentwicklung unmittelbar abgeschmolzen wird. Vielmehr soll die Nachfrage auch im Schlussquartal stärker ausfallen als die Umsatzrealisierung.

Für 2027 erwartet VAT Erlöse deutlich über der bisherigen Prognosespanne von CHF 1,5–1,7 Mrd.

Die bestätigte Jahresprognose sieht außerdem höhere Auftragseingänge und Umsätze sowie Verbesserungen bei EBITDA, EBITDA-Marge, Reingewinn und freiem Cashflow gegenüber dem Vorjahr vor. Der optimistischere mittelfristige Umsatzausblick ist damit von den bestätigten Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr zu unterscheiden.

Analysten gewichten die Perspektiven unterschiedlich

Rothschild & Co Redburn bestätigte am 16. Oktober die Kaufempfehlung und erhöhte das Kursziel von CHF 750 auf CHF 790.

Diese Anpassung steht für eine zuversichtliche Bewertung nach dem Quartalsbericht. Nicht alle Analysten leiteten aus der starken Nachfrage jedoch höhere Zielmarken ab.

Jefferies-Analyst Om Bakhda senkte am 16. Oktober sein Kursziel von CHF 646 auf CHF 622. Die Halteempfehlung ließ er unverändert.

Für Anleger liegt der entscheidende Prüfpunkt deshalb in den kommenden Umsatzmeldungen: Sie müssen zeigen, wie sich die außergewöhnlich hohe Bestelltätigkeit in realisierte Erlöse übersetzt. Der Rekordauftragsbestand stärkt die Wachstumsperspektive, beseitigt die Unsicherheit über deren zeitlichen Verlauf aber nicht.