Ein Konzern, der seinen Gewinn mehr als verdreizehnfacht, sollte eigentlich Applaus ernten. Bei Verbio sorgt das starke Geschäftsjahr trotzdem für Kursverluste – der Ausblick des Managements fällt den Anlegern zu vorsichtig aus.
Im Geschäftsjahr 2025/26 profitierte der Leipziger Biokraftstoffhersteller von deutlich gestiegenen Preisen an den Zapfsäulen, ausgelöst durch den Iran-Krieg. Der Umsatz kletterte um fast ein Fünftel auf 1,87 Milliarden Euro, das operative Ergebnis schoss auf knapp 194 Millionen Euro.
Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 64 Millionen Euro übrig – nach einem Verlust von fast 138 Millionen Euro im Vorjahr, als rückläufige Kraftstoffpreise das Geschäft belastet hatten.
Ausblick liegt unter den Erwartungen
Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 stellt Vorstandschef Claus Sauter ein EBITDA zwischen 210 und 250 Millionen Euro in Aussicht. Der Mittelwert von 230 Millionen Euro liegt rund sieben Prozent unter dem Marktkonsens von 246,4 Millionen Euro. Höhere Beiträge aus dem Bioethanol- und Biomethangeschäft sollen das Wachstum tragen, zusätzlich will Sauter die Nettoverschuldung weiter spürbar reduzieren.
Die Prognose wirkt bewusst konservativ gesetzt. Operativ zeigt die Richtung klar nach oben, doch der Markt hatte offenbar mit mehr gerechnet. Genau diese Lücke zwischen Erfolgsjahr und zurückhaltendem Ausblick drückte die Aktie im XETRA-Handel zeitweise um mehr als fünf Prozent auf 30,16 Euro – nachdem der Kurs am Vortag noch um knapp fünf Prozent gestiegen war.
Nach einer Nullrunde im Vorjahr will Verbio den Aktionären wieder eine Dividende von 20 Cent je Aktie zahlen. Bewertet ist die Aktie mit einem KGV von 17,8 für das laufende und 14,8 für das kommende Geschäftsjahr 2027/28 – Größenordnungen, die angesichts der operativen Wende als angemessen gelten dürften.
Für Anleger bleibt die Kernfrage, ob Verbio die selbst gesteckte Bandbreite im laufenden Jahr übertreffen kann. Sollte das Bioethanol- und Biomethangeschäft stärker anziehen als im konservativen Szenario unterstellt, hätte der Konzern Spielraum, die Prognose im Jahresverlauf nach oben zu korrigieren.
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