Verbio hebt erneut Prognose, Siemens Energy kämpft mit Bewertungsfrage

Siemens Energy meldet Rekordaufträge, leidet aber unter hoher Bewertung. Verbio und Energiekontor überzeugen mit optimistischen Signalen.

Siemens Energy Aktie
Kurz & knapp:
  • Siemens Energy mit Rekordauftragseingang
  • Verbio erhöht EBITDA-Prognose erneut
  • Energiekontor verdoppelt Dividende
  • ABO Energy kämpft um Sanierung

Prognoseanhebung, Sanierungsdrama, Dividendenverdopplung — am 28. Mai 2026 zeigt sich die Erneuerbare-Energien-Branche in all ihren Facetten. Während Verbio innerhalb weniger Wochen zum zweiten Mal die Ertragsziele hochschraubt und Energiekontor nach der Hauptversammlung sofort das nächste Rückkaufprogramm auflegt, kämpft ABO Energy ums Überleben. Siemens Energy liefert Rekordzahlen — und verliert trotzdem an der Börse.

Siemens Energy: Rekordaufträge, aber das KGV drückt

Ein Auftragseingang von 17,7 Milliarden Euro im zweiten Geschäftsquartal — das ist ein neues Allzeithoch und übertraf die Analystenerwartungen um gut zwei Milliarden Euro. Der Auftragsbestand wuchs auf 154 Milliarden Euro. Der Gewinn je Aktie verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahresquartal auf 0,89 Euro.

Die Zahlen veranlassten den Vorstand, die Jahresziele anzuheben: Das vergleichbare Umsatzwachstum soll nun bei 14 bis 16 Prozent liegen, die Ergebnismarge vor Sondereffekten zwischen 10 und 12 Prozent. Besonders das Segment Grid Technologies sticht heraus — hier peilt Siemens Energy ein Umsatzplus von 25 bis 27 Prozent an, bei einer Marge von 18 bis 20 Prozent.

Abgeschlossen ist inzwischen das Aktienrückkaufprogramm. Zwischen März und Mai kaufte das Unternehmen rund 12,6 Millionen eigene Aktien für knapp zwei Milliarden Euro zurück.

Trotz dieser Erfolgsmeldungen notiert die Aktie heute bei 166,18 Euro — ein Tagesverlust von über fünf Prozent. Das Problem ist nicht operativer, sondern bewertungstechnischer Natur. Bei einem KGV von 61 preist der Markt bereits außergewöhnliches Wachstum ein. JPMorgan sieht mit einem Kursziel von 225 Euro dennoch Luft nach oben und verweist auf den Optimismus asiatischer Anleger rund um KI und Rechenzentren. Berenberg hob das Ziel auf 200 Euro an. Am anderen Ende des Spektrums steht Barclays-Analyst Vladimir Sergievskiy: Sein Kursziel von 110 Euro reflektiert die Einschätzung, dass der Markt den besten Geschäftszyklus einer ganzen Generation so einpreise, als würde er niemals enden.

Energiekontor: Dividende verdoppelt, neues Rückkaufprogramm gestartet

Die Hauptversammlung in Ritterhude bei Bremen lieferte heute gleich mehrere positive Signale. Mit großer Mehrheit stimmten die Aktionäre allen Beschlussvorschlägen zu, rund 60 Prozent des Grundkapitals waren vertreten. Die Dividende wurde auf 1,00 Euro je Aktie verdoppelt. Ausschüttungstag ist der 1. Juni.

Unmittelbar nach der Hauptversammlung legte der Vorstand nach: Ein neues Aktienrückkaufprogramm sieht den Erwerb von bis zu 80.000 eigenen Aktien vor, mit einem maximalen Gesamtvolumen von neun Millionen Euro. Die Laufzeit erstreckt sich bis Ende Mai 2027. Parallel wurden 47.314 Aktien aus dem vorherigen Rückkaufprogramm eingezogen — das Grundkapital sinkt dadurch auf 13.894.772 Euro.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Siemens Energy?

Die Aktie reagierte positiv und legte heute 3,72 Prozent auf 48,75 Euro zu. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von rund 29 Prozent. Das operative Fundament trägt: Im Geschäftsjahr 2025 kletterte das Konzernergebnis vor Steuern auf 40,5 Millionen Euro, der Umsatz sprang auf 167,9 Millionen Euro. Für 2026 gibt der Vorstand eine bewusst breite EBT-Spanne von 40 bis 60 Millionen Euro aus — regulatorische Unsicherheiten in Deutschland und Großbritannien machen eine präzisere Prognose schwierig. Langfristig bleibt das Ziel von 120 Millionen Euro EBT im Jahr 2028 bestehen.

Warburg Research bestätigte die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 74,00 Euro — das entspräche einem Aufwärtspotenzial von über 50 Prozent.

Verbio: Zweite Prognoseanhebung in zwei Monaten

Gestern setzte Verbio ein Ausrufezeichen. Per Adhoc-Meldung schraubte der Vorstand die EBITDA-Prognose für das Geschäftsjahr 2025/2026 auf 160 bis 180 Millionen Euro hoch. Zur Einordnung: Noch vor zwei Monaten lautete die Spanne 100 bis 140 Millionen Euro. Der ursprüngliche Mittelpunkt von 120 Millionen Euro ist damit de facto verdoppelt.

Treiber des Sprungs sind starke Ethanol-Margen und ein insgesamt attraktives Marktumfeld für Biokraftstoffe. Hinzu kommt eine erwartete Wertaufholung bei THG-Quoten-Vorräten in Höhe von unter 20 Millionen Euro — eine politische Entscheidung verschiebt deren Einsatz ins Quotenjahr 2027.

Die Aktie notiert heute bei 38,84 Euro, ein Plus von 4,13 Prozent. Seit Jahresbeginn beträgt der Zuwachs rund 74 Prozent. Bemerkenswert: Der Kurs liegt deutlich über dem durchschnittlichen Analystenkursziel von 27,36 Euro — die Konsensschätzungen hinken der operativen Dynamik noch weit hinterher. Die erste Prognoseanhebung Ende März hatte Verbio mit starker Nachfrage nach emissionsarmen Biokraftstoffen und günstigen regulatorischen Bedingungen begründet. Die Nettofinanzverschuldung soll bis Geschäftsjahresende unter 140 Millionen Euro sinken.

ABO Energy: Sanierungsgutachten macht Hoffnung — die Zeit drängt

Ein gänzlich anderes Bild zeichnet ABO Energy. Die Aktie notiert bei rund 5,91 Euro, mehr als 51 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Marktkapitalisierung ist auf rund 55 Millionen Euro geschrumpft. Der Kurs bewegt sich seitwärts — die Märkte warten ab.

Ein erster Entwurf des Sanierungsgutachtens kommt zum vorläufigen Schluss, dass ABO Energy sanierungsfähig sei. Chief Restructuring Officer Britta Hübner bezeichnet das als „Meilenstein auf dem Pfad der Sanierung“ und geht „zuversichtlich in die weiteren Gespräche mit den Finanzierungspartnern“. Die entscheidende Frist: Bis Ende Juli muss eine tragfähige Sanierungsfinanzierung stehen. Dann läuft die Stillhaltevereinbarung mit den Kreditgebern aus.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Siemens Energy?

Strategisch will ABO Energy künftig Wind- und Batterieanlagen selbst betreiben und den Strom direkt vermarkten — stabilere Einnahmen statt projektabhängiger Verkaufserlöse. Operativ zeigt das Unternehmen trotz der Krise Lebenszeichen:

  • Solarpark Birkholz in Brandenburg (7,8 MWp) erhielt einen Tarif der Bundesnetzagentur
  • Bei der Mai-Ausschreibung für Windkraft bewarb sich ABO Energy mit über 150 Megawatt Leistung
  • Ein Windpark in Rheinland-Pfalz (16,8 MW, vier Anlagen) wurde an einen unabhängigen Energieerzeuger verkauft
  • Eine weitere Nordex-Anlage (4,5 MW) bei Welterod fand ebenfalls einen Käufer

Die Gewinnprognose für 2026 ist vom Tisch. Ein positives EBITDA erwartet das Unternehmen frühestens 2027. Die Hauptversammlung am 13. August wird zum nächsten Prüfstein — Aktionäre werden konkrete Fortschritte bei der Investorensuche erwarten.

RWE: Langfristig stark, kurzfristig gebremst

RWE hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 67 Prozent an Wert gewonnen. Die Aktie befindet sich in einem mittel- und langfristigen Aufwärtstrend — kurzfristig hat sie allerdings an Schwung verloren. Heute notiert sie bei 54,24 Euro, ein Tagesverlust von knapp zwei Prozent. Seit dem 30-Tage-Rückgang von über zwölf Prozent liegt der Kurs deutlich unter dem 50-Tage-Durchschnitt.

Das KGV von 10,52 macht RWE zum Bewertungs-Antipoden von Siemens Energy. Von 19 beobachtenden Analysten empfehlen 79 Prozent den Kauf, kein einziger rät zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt allerdings nur 1,5 Prozent über dem aktuellen Niveau — die Profis sehen kurzfristig wenig Spielraum. Als nächstes Kursziel auf der Oberseite gilt das am 30. April markierte 10-Jahres-Hoch bei 61,94 Euro.

Milliardenschwere Investitionen in erneuerbare Energien und eine breite Projektpipeline stützen die langfristige Story. In zehn Jahren hat die Aktie per saldo über 350 Prozent zugelegt.

Fünf Aktien, drei Geschwindigkeiten

Der heutige Tag illustriert die Spreizung im Sektor wie unter einem Brennglas. Verbio und Energiekontor senden positive Kapitalmarktsignale — bei Verbio durch die zweite Prognoseanhebung binnen zwei Monaten, bei Energiekontor durch die verdoppelte Dividende und das sofort gestartete Rückkaufprogramm. Deutschland agierte im ersten Quartal 2026 erstmals seit über zwei Jahren wieder als Netto-Stromexporteur, wobei mehr als die Hälfte des Überschusses aus erneuerbaren Quellen stammte. Das ist struktureller Rückenwind, von dem Energiekontor als Betreiber und Entwickler direkt profitiert.

Siemens Energy liefert operativ auf Rekordniveau, kämpft aber mit einer Bewertung, die kaum noch Fehler verzeiht. RWE besitzt die fundamentale Substanz, muss aber technische Widerstände überwinden. Und ABO Energy ringt weiter um seine Zukunft — mit einer klaren Deadline Ende Juli.

Die kommenden Wochen bringen weitere Weichenstellungen: Siemens Energy berichtet am 5. August zum dritten Quartal. Verbio veröffentlicht die Jahresergebnisse am 24. September. Energiekontor schüttet am 1. Juni aus und treibt den Bau von über 200 Megawatt Kapazität voran. Und bei ABO Energy entscheidet sich bis Ende Juli, ob der Sanierungsplan trägt — oder das 5-Jahres-Tief von 4,25 Euro wieder in Reichweite rückt.

Siemens Energy-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Siemens Energy-Analyse vom 28. Mai liefert die Antwort:

Die neusten Siemens Energy-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Siemens Energy-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Siemens Energy: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Siemens Energy

Über Andreas Sommer 4699 Artikel

Über mich: Erfahrung für Ihren Anlageerfolg

Als Finanzanalyst und Börsenjournalist beschäftige ich mich seit über vier Jahrzehnten intensiv mit den Finanzmärkten. Meine Spezialisierung liegt auf der Analyse wachstumsstarker Aktien und der Entwicklung von Anlagestrategien, die fundamentale Bewertung mit technischer Analyse kombinieren.

Ein zentraler Aspekt ist das Timing („Timing is Money“), denn Risikobegrenzung ist essenziell („Vermeiden ist besser als Verlieren!“). Mein Ziel ist es, Ihnen klare Orientierung in dynamischen Märkten zu bieten.

Mein Weg an die Börse: Vom Bankberater zum Analysten

Meine Faszination für die Finanzmärkte entwickelte sich schon früh. Wichtige Stationen meines Weges sind:

  • Bankwesen: Über zehn Jahre Erfahrung als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank legten den Grundstein im Kundengeschäft.
  • Wendepunkt 1987: Der Börsencrash weckte mein tiefes Interesse an der technischen Analyse als wichtiges Instrument zur Risikosteuerung.
  • Finanzjournalismus: Als Finanzredakteur und Chefredakteur für Börsenpublikationen vertiefte ich meine Marktkenntnisse.
  • Strategieentwicklung: Über die Jahre entwickelte ich meinen heutigen ganzheitlichen Ansatz, der Fundamentaldaten und Charttechnik systematisch verbindet.

Meine Arbeit: Analysen, Strategien und Einblicke

Meine Expertise und meine Anlagestrategien teile ich auf verschiedenen Wegen:

  • Buch "Die Wachstumsaktien-Strategie": In diesem Buch (VNR Verlag) stelle ich praxisnah meine Methode zur Auswahl von Wachstumsaktien und zur Kombination von Fundamentalanalyse und Timing vor.
  • Markt-Barometer: Ein selbst entwickeltes Tool, das wöchentlich das Börsenklima anhand globaler Indikatoren einschätzt und bei der Risikosteuerung hilft.
  • Einblicke teilen: Meine Marktmeinung zu Aktien, Gold, Krypto und Rohstoffen teile ich regelmäßig bei Auftritten auf Finanzmessen (z.B. Invest Stuttgart), in Fachmedien (z.B. Börsen Radio Network) und auf meinem YouTube-Kanal „Chartanalyse-Trends“.

Unabhängigkeit und Transparenz sind die Grundlage meiner Arbeit.

Mein Ziel: Ihr Navigator im Finanzmarkt

Ich möchte Anlegern – ob Einsteiger oder Profi – klare, fundierte und umsetzbare Strategien an die Hand geben. Mit meinen Analysen und Werkzeugen helfe ich Ihnen, sich im oft komplexen Finanzmarkt zurechtzufinden und erfolgreich zu investieren.