Verve Group Aktie: Zahlen-Chaos nach Plattform-Umbau

Trotz Umsatzsteigerung durch Bilanzierungsänderung verzeichnet Verve Group sinkendes bereinigtes EBITDA und erhöht gleichzeitig Jahresprognose nach technischen Problemen und Plattformmigration.

Verve Aktie
Kurz & knapp:
  • Umsatz nach neuer Bilanzierung um 25 Prozent gestiegen
  • Bereinigtes EBITDA um 22 Prozent eingebrochen
  • Erhöhte Umsatzprognose für Gesamtjahr 2025
  • Technische Probleme durch Plattformvereinheitlichung

Die Verve Group hat am Dienstag ihre Q3-Zahlen vorgelegt – und auf den ersten Blick sieht es verwirrend aus. Der SDAX-Konzern kämpft mit den Nachwehen eines massiven Plattform-Umbaus, der die Zahlen schwer vergleichbar macht. Während der berichtete Umsatz um 25 Prozent auf knapp 142 Millionen Euro kletterte, sank er auf vergleichbarer Basis um 3 Prozent auf 110 Millionen Euro. Was steckt dahinter?

Technische Probleme belasten das Quartal

Der Spezialist für digitale Werbung und Spieleentwicklung hat im August seine Supply-Side- und Demand-Side-Plattformen zusammengelegt. Das Ergebnis: Seit dem dritten Quartal werden Umsätze nach IFRS 15 brutto statt netto ausgewiesen – ein buchhalterischer Trick, der die Zahlen auf den Kopf stellt. Doch die eigentlichen Probleme lagen tiefer: Die Vereinheitlichung der Plattform führte zu technischen Schwierigkeiten, die das operative Geschäft bremsten.

Hinzu kam ein schwächerer Werbemarkt und der Wegfall politischer Werbeausgaben, die im Vorjahresquartal vor den US-Präsidentschaftswahlen für einen Boost gesorgt hatten. Auch der schwache Dollar gegenüber dem Euro machte dem Unternehmen zu schaffen.

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Das bereinigte EBITDA brach um 22 Prozent auf 26,1 Millionen Euro ein. Die Marge rutschte auf 18 Prozent – oder 24 Prozent auf alter Berechnungsbasis. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal lag sie noch bei 30 Prozent. Der Grund: Abfindungskosten von 1,3 Millionen Euro für Personalabbau, zusätzliche Rechts- und Beratungskosten von 1,7 Millionen Euro sowie Investitionen in Vertrieb und Marketing.

Prognose angehoben – aber ist das glaubwürdig?

Jetzt wird es interessant: Trotz des schwachen Quartals hebt Verve die Umsatzprognose für 2025 kräftig an. Statt 485 bis 515 Millionen Euro sollen es nun 560 bis 580 Millionen Euro werden. Grund sind die neue Umsatzrealisierung und die jüngsten Zukäufe von Captify Technologies und Acardo Group Mitte September. Die EBITDA-Prognose von 125 bis 140 Millionen Euro bleibt unverändert.

CEO Remco Westermann gibt sich kämpferisch: Der Start ins vierte Quartal sei stark gewesen, die Plattformvereinheitlichung abgeschlossen, die Effizienzmaßnahmen würden greifen. Ab 2026 sollen allein durch Personaleinsparungen rund 8 Millionen Euro eingespart werden. Doch kann das Unternehmen die hohen Erwartungen erfüllen?

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Die Zahlen zeigen zumindest positive Signale: Die Kundenzahl stieg im Quartalsvergleich um 7 Prozent auf 3.304. Die Bruttomarge kletterte von 35 auf 37 Prozent. Und die Kundenbindungsrate liegt bei starken 96 Prozent. Die Net Dollar Retention allerdings sackte auf nur noch 90 Prozent ab – ein klares Zeichen für die Belastungen durch Plattformmigration und Marktschwäche.

Was bedeutet das für Anleger?

Verve befindet sich mitten in einem radikalen Umbruch. Das dritte Quartal war geprägt von Einmalkosten, technischen Problemen und einem schwachen Marktumfeld. Ob der angekündigte Jahresendspurt wirklich kommt, bleibt abzuwarten. Die Weichen sind gestellt – mit verschlankter Organisation, modernerer Plattform und erweiterten Vertriebskapazitäten.

Doch die Konkurrenz schläft nicht: Selbst die kleinere YOC AG, die im selben Markt tätig ist, kämpft mit schwächelnder Profitabilität trotz Umsatzwachstum. Das Werbeumfeld bleibt angespannt. Für Verve bedeutet das: Die nächsten Monate werden zeigen, ob der teure Umbau sich auszahlt – oder ob die Anleger weiter auf Geduldsprobe gestellt werden.

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