Liebe Börsenfreundinnen und Börsenfreunde,
bei OpenAI ist weniger Geld angekommen als geplant. Laut Wall Street Journal kam für die jüngste Finanzierungsrunde nur gut ein Drittel der angepeilten 30 Milliarden Dollar zusammen. Nachgesammelt werden soll nun bei Family Offices, also den Vermögensverwaltungen reicher Familien, und bei vermögenden Privatpersonen.
Wie viel Geld die KI-Wette noch bekommt, ist die Frage über allen Terminen der kommenden Woche. Sie zieht sich durch Palantir am Montag, die US-Wahl am Dienstag und BMW am Mittwoch.
Palantir: Die Nachfrage ist da, die Absicherung auch
Palantir legt am Montag um 22:00 Uhr Quartalszahlen vor. Der DAX kann erst am Dienstag darauf reagieren. Fehlt es an Nachfrage nach Rechenleistung? Nein. Südkoreas Exporte sind im Oktober um 93,7 Prozent gestiegen, das stärkste Plus seit 1974.
Die Halbleiterausfuhren legten noch weit stärker zu, getragen von den Rechenzentrumsinvestitionen der großen Tech-Konzerne. Das Problem ist die Finanzierung. Laut Wall Street Journal decken sich Investoren und Tech-Manager zunehmend mit Verkaufsoptionen und Kreditausfallversicherungen gegen einen KI-Einbruch ein. Beides sind Absicherungen, die zahlen, wenn Kurse fallen oder ein Schuldner ausfällt.
Bei CoreWeave erreichte das Volumen solcher Verkaufsoptionen im Oktober laut Cboe Rekordwerte. Zugleich verhandelt das Start-up Baseten laut Bloomberg eine Runde bei bis zu 30 Milliarden Dollar Bewertung, mehr als doppelt so viel wie im Juni.
Baseten betreibt die Plattform, auf der Firmen fertige KI-Modelle laufen lassen. Darin liegt der Widerspruch der Woche: Wer den Betrieb der Modelle verkauft, bekommt noch Geld, wer die Rechenzentren bezahlt, muss den Rückfluss beweisen.
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US-Wahl: Meta, Stromrechnungen und die Regulierung
Am Dienstag wählen die USA das Repräsentantenhaus komplett und rund ein Drittel des Senats neu. Kalifornien stimmt am selben Tag über eine mögliche Milliardensteuer ab, die Mark Zuckerberg treffen könnte. Meta hat dafür eine neue Aktienklasse angekündigt, die ihm Verkäufe ohne Kontrollverlust erlaubt. Im Gegenzug verpflichtet sich Zuckerberg, acht weitere Jahre am Unternehmensstandort zu wohnen.
Der zweite Schauplatz sind die Strompreise. Laut Energy Information Administration sind die Haushaltsstrompreise seit 2024 um mehr als ein Zehntel gestiegen, schneller als andere Güter. In Ohio, Michigan und Pennsylvania, zugleich Hotspots für neue Rechenzentren, stiegen sie teils dreimal so schnell wie die Inflation. Kandidaten fordern deshalb eingefrorene Tarife und gekappte garantierte Renditen der Versorger.
Was hat das mit KI-Aktien zu tun? Wenn Versorger weniger verdienen dürfen, investieren sie weniger in Netze, und Rechenzentren werden schwerer anzuschließen. Dazu kommt laut dpa-AFX die Aussicht, dass der Wahlausgang die KI-Regulierung mitbestimmt und dem Boom einen Dämpfer verpassen könnte.
BMW: Zahlen am Mittwoch, Warnstreiks ab heute Abend
BMW legt am Mittwoch um 07:30 Uhr das Ergebnis für das dritte Quartal vor, um 08:30 Uhr folgt die Analysten- und Pressekonferenz. Die Zahlen kommen in eine Branche, in der ab heute gestreikt wird. Die IG Metall NRW beginnt nach eigenen Angaben am Sonntagabend um 22:00 Uhr beim Zulieferer Gestamp in Bielefeld. Am Montag sind Beschäftigte in mehr als zwei Dutzend Betrieben des Landes aufgerufen.
In Baden-Württemberg endete die Friedenspflicht, in der nicht gestreikt werden darf, mit dem 31. Oktober. Dort mobilisierte die Gewerkschaft in früheren Runden bei Porsche, Mercedes-Benz, Bosch, Daimler Truck und ZF. Südwestmetall nennt die Lage der Branche äußerst kritisch.
Wie weit liegen die Seiten auseinander? Die Arbeitgeber bieten eine Einmalzahlung und später 1,3 Prozent mehr Entgelt, die IG Metall will unter anderem fünf Prozent. Wenn Löhne schneller steigen als die Erlöse, schrumpft die Marge, also der Teil des Umsatzes, der als Gewinn bleibt. Deshalb zählt bei BMW am Mittwoch weniger der Umsatz als das, was der Vorstand über die Kosten sagt.
Hormus und STRATEC: Dünnes Eis und ein harter Schnitt
Iran hat über katarische Vermittler angeboten, die Straße von Hormus binnen zwei Tagen zu öffnen, wenn Washington am ersten Tag liefert. Zuvor hatte Teheran sieben Tage verlangt. Trump nennt die Gespräche gut, hat es aber „nicht eilig“ und will vor der Wahl nicht angreifen. Danach schließt er nichts aus.
Am Freitagabend wurde der katarische Flüssiggastanker Al Mayeda trotz iranischer Freigabe getroffen. Laut Bloomberg zeigt das, wie dünn das Eis ist. OPEC+ will laut Reuters die Förderziele für Dezember heute unverändert lassen. Die Ölsorte Brent ging deutlich über 100 Dollar ins Wochenende.
Ebenfalls am Freitagabend meldete STRATEC den Verkauf der Verlusttochter Diatron MI für fest 10 Millionen Euro. Der Diagnostikspezialist schreibt 44,1 Millionen Euro ab und kassiert seine Mittelfristziele. Zugleich hebt STRATEC die Margenprognose für 2026 auf vergleichbarer Basis an.
Binance: Die Auszahlungen laufen wieder an
Binance nimmt die Auszahlungen seit Sonntag 14 Uhr Singapurer Zeit stufenweise wieder auf, zuerst die Coins mit der höchsten Nachfrage der Vorwoche. Die Börse hat nach eigenen Angaben 90 Prozent der gestohlenen Werte ersetzt. Der Rest sind wenig liquide Token, die sich also nur schwer handeln lassen. Das FBI schreibt den Rekord-Hack der nordkoreanischen Gruppe TraderTraitor zu und bittet Unternehmen, bestimmte Adressen zu sperren.
Und Bitcoin? Der bewegte sich seit Freitag kaum. Die Stimmung dagegen ist gekippt: Der Angst-und-Gier-Index, ein Stimmungsbarometer für den Kryptomarkt, fiel von 70 auf 36.
In drei früheren Fällen mit solchem Stimmungssturz lag Bitcoin 30 Tage später tiefer. Das ist allerdings eine Statistik mit kleiner Stichprobe.
Was jetzt zählt
Über allem steht die Frage, wie viel Geld die KI-Wette noch bekommt. Palantir am Montagabend ist der erste Test, ob KI-Umsätze die Finanzierungssorgen übertönen. Die US-Wahl am Dienstag entscheidet weniger über die Börse als über Versorger, Meta und die Regulierung der KI.
Ob Palantir am Montag die Finanzierungssorgen vergessen macht, wird sich zeigen, doch der KI-Megatrend hängt an mehr als einem Namen. Der Report „Megatrend KI“ ordnet die Top 10 der Big-Data-Unternehmen ein und zeigt, wie Anleger gezielt in Künstliche Intelligenz investieren können. Top-10-Übersicht herunterladen
Bei BMW am Mittwoch hören Sie auf die Kostenseite, denn die Tarifrunde läuft ab heute Abend mit Warnstreiks. Ich wünsche Ihnen einen Sonntag ohne Kurse im Kopf.
Viele Grüße vom Treff, Ihr Andreas Sommer
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