Knapp sechs Wochen nach dem Frankfurter Börsendebüt steht VINCORION vor seinem ersten echten Markttest. Die Stabilisierungsphase ist beendet, der Kurs notiert wieder über dem Ausgabepreis — und am 7. Mai folgt der erste Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen.

J.P. Morgan zog am 17. April als Stabilisierungsmanager einen Schlussstrich und übte die Greenshoe-Option für rund 2,1 Millionen Stammaktien zum Ausgabepreis von 17 Euro aus. Innerhalb von sieben Handelstagen hatte die Aktie zuvor knapp zwölf Prozent zugelegt — der anfängliche Kursrutsch nach dem IPO ist damit verdaut.

Große US-Adressen als neue Anker

Die Kursstützung übernehmen nun institutionelle Investoren. Fidelity International, Invesco und T. Rowe Price halten laut Aktionärsregister jeweils rund vier Prozent der Anteile und hatten beim IPO gemeinsam Kaufzusagen über 105 Millionen Euro bereitgestellt. Finanzinvestor STAR Capital hält nach Ablauf der Mehrzuteilungsoption 48,63 Prozent — und bleibt damit vorerst der dominierende Aktionär.

Ein zweiter Stichtag folgt im Herbst: Dann endet die 180-tägige Lock-up-Frist für den STAR-Capital-Anteil. Bis dahin dürfte die Aktionärsstruktur stabil bleiben.

Solide Basis, ehrgeizige Ziele

Die operative Ausgangslage vor dem ersten Quartalsbericht ist klar. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wuchs der Umsatz um 18 Prozent auf 240,3 Millionen Euro, das EBIT legte um 64 Prozent auf 33,7 Millionen Euro zu, der Nettogewinn verdoppelte sich auf 19,4 Millionen Euro. Ein Auftragsbestand von rund 1,1 Milliarden Euro sorgt für Planungssicherheit.

Für 2026 peilt das Management Erlöse zwischen 280 und 320 Millionen Euro an — ein Wachstum von bis zu einem Drittel. Finanziert werden soll die Expansion aus eigener Kraft: Das IPO im März brachte kein frisches Kapital. Als verlässliche Erlösquelle dient das margenstarke Wartungs- und Ersatzteilgeschäft, das 55 Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt.

Bewertung noch mit Abschlag

Im Sektorvergleich notiert VINCORION mit einem KGV von 46 deutlich günstiger als RENK (53), HENSOLDT (95) oder Rheinmetall (über 100). Der Abschlag erklärt sich zumindest teilweise durch den kurzen Börsen-Track-Record — das IPO liegt erst wenige Wochen zurück.

Am 7. Mai muss das Management liefern: Der Quartalsbericht wird zeigen, ob die starke Wachstumsdynamik aus 2025 anhält und ob steigende europäische Verteidigungsbudgets bereits in feste Aufträge für VINCORION umgewandelt wurden.