Nach einem der stärksten Kursrallys der Unternehmensgeschichte folgt der harte Einschlag. Virgin Galactic hat angekündigt, Schulden in Höhe von bis zu 30,5 Millionen Dollar durch die Ausgabe neuer Aktien zu tilgen — und Anleger reagierten prompt. Der Kurs bricht am Dienstag um mehr als 33 Prozent auf 5,03 Dollar ein.
Schulden gegen Aktien
Der Mechanismus ist simpel, aber schmerzhaft für Bestandsaktionäre. Virgin Galactic löst bis zu 30,5 Millionen Dollar seiner 9,80-prozentigen First-Lien-Anleihen (Fälligkeit Dezember 2028) nicht mit Cash ab, sondern durch neue Stammaktien. Die Rückzahlung ist für den 10. Juni 2026 geplant — zum Nennwert plus aufgelaufene Zinsen. Wie viele Aktien genau ausgegeben werden, hängt vom volumengewichteten Durchschnittskurs über einen Fünf-Tage-Beobachtungszeitraum ab.
Es ist nicht das erste Mal. Am 18. Mai 2026 tilgte das Unternehmen bereits 10 Millionen Dollar dieser Anleihen — und gab dafür rund 3,77 Millionen neue Aktien aus. Nach dieser Transaktion standen noch etwa 202,5 Millionen Dollar der First-Lien-Anleihen aus. Gelingt die aktuelle Rückzahlung vollständig, ist bis März 2028 keine weitere Tilgung fällig.
Virgin Galactic begründet den Schritt mit verbesserter Liquidität und geringeren laufenden Zinszahlungen. Das Ziel: finanzielle Flexibilität vor dem geplanten kommerziellen Betrieb im vierten Quartal 2026.
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Absturz nach Parabolrally
Der Zeitpunkt trifft besonders hart. In den fünf Handelstagen bis zum 1. Juni hatte die Aktie von 3,34 auf 7,52 Dollar zugelegt — ein Plus von 125 Prozent. Allein am Montag stieg der Kurs um 22 Prozent. Über 30 Tage summiert sich das Kursplus auf knapp 100 Prozent. Treiber waren Euphorie rund um Raumfahrtunternehmen und Spekulationen über einen möglichen SpaceX-Börsengang.
Das Leerverkäufer-Engagement war entsprechend hoch. Analysehaus S3 Partners bezifferte das Short-Exposure auf 118,3 Millionen Dollar — mehr als die kombinierte institutionelle Long-Position von 103 Millionen Dollar. Short-Seller hatten auf Jahressicht bereits 64 Millionen Dollar Buchverluste angehäuft. Kein Wunder, dass die Verwässerungsankündigung in dieser Konstellation so heftig einschlug.
Operativer Fortschritt bleibt
Abseits der Finanzierungsturbulenz schreitet das Testprogramm voran. Das erste Delta-Raumschiff wurde bereits vom Montagehangar zur Test- und Startanlage in Phoenix überführt. Bodentests laufen. Für das dritte Quartal 2026 plant Virgin Galactic Gleitflugversuche, für das vierte Quartal erstmals raketenbetriebene Raumflüge.
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Ein zweites Delta-Raumschiff befindet sich in der Fertigung und soll zwischen Ende 2026 und Anfang 2027 in Betrieb gehen. Angepeilt werden bis zu zwei Flüge pro Woche, jedes Fahrzeug ist für mehr als 500 Missionen ausgelegt.
Zahlen bleiben schwierig
Operativ ist Virgin Galactic noch weit von der Profitabilität entfernt. Im ersten Quartal 2026 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 1,54 Millionen Dollar bei einem Nettoverlust von 64,7 Millionen Dollar. Der operative Cashflow lag bei minus 53,5 Millionen Dollar. Immerhin: Die Betriebskosten sanken um 26 Prozent, und das Unternehmen übertraf die EPS-Erwartungen.
Analysten bewerten die Aktie mehrheitlich mit „Halten“ — zwei Kaufempfehlungen stehen drei neutralen Einschätzungen und einer Verkaufsempfehlung gegenüber. Mit einem RSI von 21 ist die Aktie technisch stark überverkauft. Ob das als Stabilisierungssignal reicht, hängt davon ab, wie viele Aktien Virgin Galactic am 10. Juni tatsächlich ausgeben muss.
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