Virgin Galactic steht kurz vor einer entscheidenden technischen Etappe. Das erste Raumschiff der neuen Delta-Klasse hat die Montagehalle im Werk Mesa in Arizona verlassen. Der Testhangar wartet. Die Aktie notiert derzeit bei 2,58 US-Dollar und damit 71 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 8,90 US-Dollar aus dem Juni.

Meilenstein in Mesa

Mitte Juli 2026 hat Virgin Galactic den Strukturbau seines ersten Delta-Raumschiffs abgeschlossen. Das Fahrzeug ist bereits ins Testhangar umgezogen. Damit beginnt offiziell die Bodenerprobung der neuen Flotte.

Die Delta-Klasse soll das künftige Geschäftsmodell tragen. Bis zu acht Flüge pro Monat sind geplant, zwölfmal so viel wie beim inzwischen ausgemusterten VSS Unity. Für diese Kapazität arbeitet Virgin Galactic mit zwei Industriepartnern: Bell Textron liefert das charakteristische Feathering-System, Qarbon Aerospace steuert Rumpf und Tragflächen bei.

Wie lange reicht das Geld noch?

Der Fortschritt in Arizona kostet. Für das zweite Quartal 2026 rechnet das Management mit einem negativen freien Cashflow zwischen 87 und 92 Millionen US-Dollar. Etwa die Hälfte davon fließt in den Ausbau von Produktion und Testinfrastruktur.

Analysten schätzen die laufende Kapitalverbrennung sogar auf 90 bis 110 Millionen US-Dollar pro Quartal. Das Unternehmen will trotzdem ohne stark verwässernde Finanzierungsrunden bis Ende 2026 den kommerziellen Betrieb erreichen. Am 15. Juli hat Virgin Galactic zudem Restricted Stock Units für 141.295 Aktien an zwei neue Mitarbeiter ausgegeben — Teil der Personalstrategie für die Wachstumsphase.

Monopolist ohne Passagiere

Der Wettbewerb hat sich zugunsten von Virgin Galactic verändert. Blue Origin hat sich komplett aus dem suborbitalen Tourismusmarkt zurückgezogen. Virgin Galactic ist damit faktisch der einzige Anbieter privater suborbitaler Flüge.

Genutzt hat das der Aktie bisher wenig. Seit 2024 sind keine zahlenden Passagiere mehr geflogen, während sich das Unternehmen auf die Delta-Entwicklung konzentriert. Anleger honorieren aktuell operative Fortschritte stärker als Marktanteile. Der Kursdruck hängt zudem auch mit der Branche insgesamt zusammen: Der heftige Bewertungseinbruch von SpaceX nach dessen Börsengang hat das Vertrauen in suborbitale und orbitale Tourismus-Werte insgesamt belastet.

Fahrplan für den Rest des Jahres

Die Roadmap bis Jahresende ist eng getaktet. Nach den laufenden Bodentests in Arizona sollen im dritten Quartal Gleitflugtests folgen. Verlaufen diese erfolgreich, sind für das vierte Quartal erste raketengetriebene Testflüge ins All geplant.

Das Ziel bleibt die Wiederaufnahme des kommerziellen Betriebs noch in diesem Jahr. Rund 650 „Founding Astronauts“ haben bereits eine Anzahlung geleistet und bilden den Auftragsbestand. Der Start des kommerziellen Flugbetriebs gilt als der entscheidende Hebel, um 2027 einen positiven operativen Cashflow zu erreichen.