Starke Zahlen, trotzdem rote Vorzeichen: Visa hat das vierte Geschäftsquartal über den Erwartungen abgeschlossen, doch der nachbörsliche Kurs gab leicht nach. Der Grund liegt weniger im Rückblick als in der Vorschau auf 2027.
Solides Quartal, starkes Rekordjahr
Der Nettoumsatz stieg um 13 Prozent auf 12,1 Milliarden Dollar. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 3,48 Dollar und damit über den erwarteten 3,44 Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 verbucht der Konzern einen Rekordumsatz von 46 Milliarden Dollar.
Das Zahlungsvolumen wuchs in konstanten Dollar um 9 Prozent, die verarbeiteten Transaktionen um 10 Prozent. Das grenzüberschreitende Volumen ohne Intra-Europa legte um 14 Prozent zu. Finanzchef Chris Suh sieht darin starke Reiselust und expandierenden E-Commerce. Auch Konsumenten mit geringeren Ausgaben zeigten keine Schwäche, so Suh. Die Fußball-WM in den USA stützte die Aktivität zusätzlich.
Aktionäre bekommen mehr: Der Verwaltungsrat hebt die Quartalsdividende um 16 Prozent auf 0,780 Dollar je Aktie an.
Der Haken: Kundenanreize und Erneuerungen
Die Kundenanreize sprangen um 21 Prozent auf 5,1 Milliarden Dollar. Neue Verträge aus dem Sommer trieben die Position. Seaport-Analyst Jeff Cantwell nannte sie den einen Punkt zum Mäkeln, da sie über den Erwartungen lagen und die Prognose für 2027 belasten dürften.
Der Ausblick erklärt die Zurückhaltung. Für das neue Geschäftsjahr erwartet Visa ein Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen Bereich. Das Ergebnis je Aktie soll zwischen niedrig zweistellig und niedrigen Teens zulegen.
Etwa 25 Prozent des Zahlungsvolumens stehen zur Vertragserneuerung an, nach 20 Prozent im laufenden Jahr, darunter mehrere Großkunden. Die Erneuerungen fallen laut Suh deutlich breiter aus und umfassen mehr Mehrwert- und Commercial-Services.
KBW-Analysten um Sanjay Sakhrani deuten die schwächer wirkende Gewinnprognose als bewusste Entscheidung, weiter in langfristige Initiativen zu investieren.
Zukauf und Kapitalrückfluss
Die Übernahme des Betrugsabwehr-Spezialisten BioCatch für 2,4 Milliarden Dollar in bar wurde im August vereinbart. Sie steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und soll bis Ende des zweiten Geschäftsquartals 2027 abgeschlossen sein. Im ersten Quartal belastet sie den Umsatzausweis um rund ein Prozent.
Im Gesamtjahr flossen 20,5 Milliarden Dollar in Aktienrückkäufe. Der freie Cashflow lag bei 22,1 Milliarden Dollar.
Die Aktie gab nachbörslich zwischen rund 1 und 1,4 Prozent nach, bleibt aber seit Jahresbeginn deutlich im Plus. Konkurrent Mastercard legt noch diese Woche Zahlen vor und liefert den nächsten Vergleichswert für den Konsum.
Stand heute, 28. Oktober: Visa – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Visa investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 28. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.

