Visa notiert auf einem Allzeithoch, und zwar kurz vor dem nächsten Härtetest. Die Aktie hat die Marke von 410 Dollar überwunden und bei über 414 Dollar einen neuen Rekord markiert. Am Dienstag, den 27. Oktober, legt der Konzern nach US-Börsenschluss die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal vor.
Hohe Erwartungen an das Quartal
Der Konsens rechnet mit einem Umsatzplus von knapp 13 Prozent auf rund 12,09 Milliarden Dollar. Beim Gewinn je Aktie erwarten Analysten einen Anstieg von mehr als 15 Prozent auf etwa 3,44 Dollar.
Visa hat dabei eine solide Serie vorzuweisen. In den vergangenen acht Quartalen übertraf der Gewinn jeweils die Erwartungen. Besonders im Blick stehen die Zahlungsvolumina und das Cross-Border-Geschäft, denn Reisen, internationaler E-Commerce und grenzüberschreitende Firmenzahlungen spülen besonders lukrative Gebühren in die Kasse.
Netzwerkmodell mit hohen Margen
Visa ist keine Bank und trägt im Kerngeschäft kein Kreditrisiko seiner Kunden. Der Konzern stellt die Infrastruktur, über die Zahlungen weltweit laufen. Jede zusätzliche digitale Transaktion vergrößert das Volumen im Netzwerk.
Daraus ergeben sich operative Margen von mehr als 60 Prozent und hohe freie Cashflows. Rückenwind liefert der Trend weg vom Bargeld.
Ein Rekordhoch vor Zahlen schraubt allerdings die Latte nach oben. Enttäuschungen könnten kurzfristig stärker bestraft werden. Ein Allzeithoch allein macht eine Aktie jedoch nicht automatisch teuer, entscheidend bleibt, ob Gewinne und Cashflows mit dem Kurs mithalten. Das erwartete zweistellige Wachstum spricht bislang dafür.
China öffnet eine Tür
Parallel dazu gibt es Bewegung im Reich der Mitte. Die chinesische Zentralbank PBoC hat Visa die Genehmigung erteilt, die Gründung einer inländischen Clearing-Institution für Bankkarten vorzubereiten. Das erlaubt den Aufbau der nötigen technischen und organisatorischen Infrastruktur über eine eigene Tochtergesellschaft.
Marktbeobachter werten den Schritt eher als symbolische Geste denn als echte Marktchance, da der heimische Zahlungsmarkt fest in einheimischer Hand ist.
Am Dienstagabend zeigt sich, ob Visa Umsatz und Gewinn erneut zweistellig steigert und im grenzüberschreitenden Geschäft überzeugt. Gelingt das, bekommt das frische Allzeithoch zusätzliche Unterstützung.
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