Ein Stahlkonzern, der trotz sinkender Umsätze deutlich mehr verdient — das ist die Geschichte hinter dem Jahresabschluss, den Voestalpine am Mittwoch vorlegte. Das Ergebnis nach Steuern verdoppelte sich mehr als, der Verschuldungsgrad erreichte den niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Die Aktie reagierte mit einem Plus von rund zwei Prozent auf 46,82 Euro.
Entschuldung als Kernbotschaft
Die Nettofinanzverschuldung sank um 23 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Das Gearing von 16,2 Prozent ist der niedrigste Wert seit dem Geschäftsjahr 2005/06 — ein klares Signal, dass der Linzer Konzern die Bilanzbereinigung konsequent vorantreibt. Das Eigenkapital steht bei 7,8 Milliarden Euro, gestützt durch einen Free Cashflow von 537 Millionen Euro.
Parallel laufen die Investitionen in das Dekarbonisierungsprojekt „greentec steel“. Bereits 60 Prozent des 1,5-Milliarden-Euro-Budgets sind abgerufen. Die neuen Elektrolichtbogenöfen in Linz und Donawitz sollen im ersten Halbjahr 2027 in Betrieb gehen und die CO2-Emissionen bis 2029 um bis zu 30 Prozent senken.
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Luftfahrt und Bahn kompensieren schwächelnde Automobilnachfrage
Das operative Bild zeigt eine klare Verschiebung: Während die Autobranche weiter schwächelt, liefern Luftfahrt und Bahninfrastruktur. Airbus und weitere Abnehmer stehen hinter Aufträgen im Volumen von rund einer Milliarde Euro über fünf Jahre. Deutsche Bahn und Schweizerische Bundesbahnen orderten Bahninfrastruktur im Gesamtwert von rund 500 Millionen Euro.
Der Umsatz fiel dennoch von 15,7 auf 15,1 Milliarden Euro — belastet durch gesunkene Stahlpreise, den Verkauf von Buderus Edelstahl und negative Währungseffekte beim Dollar. Die US-Importzölle von 50 Prozent, seit Juni 2025 in Kraft, kosteten Voestalpine fast 100 Millionen Euro Ergebnis.
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Ergebnis entkoppelt sich vom Umsatz
Trotz des Umsatzrückgangs verbesserte sich das EBITDA von 1,3 auf 1,5 Milliarden Euro. Das EBIT kletterte um 59 Prozent auf 724 Millionen Euro, das Nettoergebnis stieg um 138 Prozent auf 424 Millionen Euro. Vorstandschef Herbert Eibensteiner erklärte die Konzernreorganisation für weitgehend abgeschlossen.
Für 2026/27 peilt das Management ein EBITDA zwischen 1,60 und 1,85 Milliarden Euro an — inklusive eines erwarteten Sondereffekts von rund 100 Millionen Euro aus dem Verkauf der Böhler-Profil-Beteiligung. Ab Juli 2026 sollen halbierte EU-Stahlimportquoten die Marktpreise stützen, dem stehen CO2-Kosten von rund 230 Millionen Euro im laufenden Jahr gegenüber.
Die Hauptversammlung am 1. Juli soll über eine Dividendenerhöhung auf 0,75 Euro je Aktie abstimmen, nach 0,60 Euro im Vorjahr. Mit einem Kursanstieg von über 100 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie die Trendwende längst eingepreist — das 52-Wochen-Hoch bei 49,22 Euro liegt noch rund fünf Prozent entfernt.
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