Volatus Aerospace hat mit dem ersten konkreten Bestellabruf aus der Canadian Defence Drone Initiative einen Wendepunkt erreicht. Die kanadischen Streitkräfte orderten 100 Systeme des Modells Huntsman X6 im Wert von bis zu 500.000 Dollar, mit einer Option auf weitere 4.900 Einheiten im Umfang von bis zu 24,5 Millionen Dollar. Damit wird aus dem vor gut einer Woche verkündeten Marktplatz-Listing ein zahlungswirksamer Vertrag.

Vom Rahmenprogramm zum Auftrag

Ottawa hatte die Defence Drone Initiative im Juli gestartet und daraus erste Aufträge im Volumen von bis zu 50 Millionen kanadischen Dollar an sechs Anbieter vergeben: neben Volatus auch AVSS, Beonyx, Objexis AI, Twenty20 Insight und Draganfly. Aus rund 400 qualifizierten Lieferanten schafften es damit nur wenige Firmen in die erste Vergaberunde.

Zwei Verträge umfassen jeweils bis zu 25 Millionen Dollar: einen für 100 Überwachungsdrohnen zu höchstens 5.000 Dollar pro Stück, den anderen für zwei Bodenfahrzeuge. Die Erstlieferung ist bis zum 1. März vorgesehen, die Regierung peilt langfristig zwei Millionen Drohnen pro Jahr an.

Der politische Rahmen dahinter ist militärisch wie diplomatisch aufgeladen. Premierminister Carney und der ukrainische Präsident Selenskyj unterzeichneten am Donnerstag in Calgary eine gemeinsame Erklärung, wonach 30 Prozent der über die Initiative beschafften Drohnen an die Ukraine gehen sollen.

Kanada stellt zudem rund 350 Millionen kanadische Dollar für Luftabwehr-Interzeptoren sowie eine Milliarde kanadische Dollar an neuen Ukraine-Zusagen bereit. Für Volatus bedeutet das ein Umfeld, in dem staatliche Nachfrage nach Drohnentechnologie mittelfristig strukturell wächst.

Analysten kalkulieren mit deutlichem Aufwärtspotenzial

Stifel-Analyst Greg MacDonald bestätigte nach der Auftragsmeldung ein Kursziel von 1 US-Dollar auf Zwölf-Monats-Sicht. Bezogen auf den Schlusskurs von 0,63 US-Dollar am Freitag entspräche das einem Potenzial von rund 59 Prozent.

Der Konsens von fünf Analysten liegt bei 0,95 US-Dollar. Die Aktie bewegte sich im laufenden Jahr in den USA zwischen 0,46 und 0,89 US-Dollar und legte allein in der vergangenen Woche rund 26 Prozent zu.

Im deutschen Handel bestätigt sich die positive Dynamik: Am Freitag schloss das Papier bei 0,3695 Euro, ein Plus von 3,1 Prozent auf Tagesbasis und von 17 Prozent auf Wochensicht. Damit hat die Aktie einen Teil des Rückgangs seit der Fertigungsanlagen-Eröffnung vor über einem Monat, der die Notierung um 11,9 Prozent hatte fallen lassen, wieder aufgeholt. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 0,5550 Euro von Ende März bleibt allerdings noch ein Abstand von 33 Prozent.

Kapitalfluss in kanadische Verteidigung als Rückenwind

Der Auftrag fällt in eine Phase, in der kanadische Banken und Pensionsfonds vor dem kommenden Canada Investment Summit in Toronto milliardenschwere Zusagen für kritische Sektoren ankündigen. Die CIBC etwa plant zwei Milliarden kanadische Dollar über fünf Jahre gezielt für Verteidigung und Dual-Use-Technologien, die Scotiabank bringt Kanada-Verteidigungsanleihen ins Spiel.

Für kleinere, spezialisierte Anbieter wie Volatus könnte dieses Kapitalumfeld den Zugang zu weiteren Aufträgen und Finanzierungen erleichtern, auch wenn eine direkte Verbindung zum aktuellen Vertrag bislang nicht besteht.

Mit einer Marktkapitalisierung von 229,44 Millionen Euro und einem 14-Tage-RSI von 67,8 signalisiert die Aktie deutliches Anlegerinteresse, ohne bereits in überkaufte Extrembereiche vorzustoßen. Ob die Optionen auf die zusätzlichen 4.900 Systeme tatsächlich gezogen werden, dürfte über die weitere Kursentwicklung entscheiden.