Volatus Aerospace kämpft mit einem hausgemachten Problem: Batterien und Motoren kommen nicht schnell genug aus der Lieferkette, um die Auftragsbücher termingerecht abzuarbeiten. Die im Juni eröffnete Fertigungsanlage am Flughafen Montreal-Mirabel soll genau das ändern – und liefert damit einen Kontrapunkt zu den zuletzt enttäuschenden Zahlen.
Der Bau in Mirabel umfasst 53.000 Quadratfuß und ist auf eine jährliche Umsatzkapazität von bis zu 250 Millionen kanadischen Dollar ausgelegt, abhängig vom Produktmix. Das ist ein Vielfaches dessen, was Volatus derzeit tatsächlich erwirtschaftet – ein Kapazitätspuffer, der dem Unternehmen Spielraum für künftiges Wachstum verschaffen soll, sofern die Lieferketten mitspielen.
Quartalszahlen zeigen Fortschritt trotz Gegenwind
Im zweiten Quartal, das Ende Juni endete, erzielte Volatus einen Umsatz von 8,4 Millionen Dollar, ein Plus von 49,5 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. Die Auslieferung von Ausrüstung legte um 38 Prozent zu, das Servicegeschäft sogar um 59 Prozent.
Der Rückgang im Jahresvergleich erklärt sich laut Unternehmensangaben durch einen einzelnen Verteidigungsauftrag im Volumen von rund 2,6 Millionen Dollar, dessen Auslieferung wegen anhaltender Lieferkettenstörungen nicht im Quartal abgeschlossen werden konnte.
Positiv fällt die Liquiditätslage auf: Zum Quartalsende verfügte Volatus über liquide Mittel von knapp 59,2 Millionen Dollar und ein Working Capital von rund 63,8 Millionen Dollar – nach eigenen Angaben die stärkste Bilanzposition in der Unternehmensgeschichte. Das verschafft dem Management finanziellen Spielraum, um die Mirabel-Kapazitäten zu füllen, ohne kurzfristig auf externe Finanzierung angewiesen zu sein.
Gesenkte Prognose belastet die Stimmung
Die Kehrseite der Lieferengpässe zeigt sich in der Jahresprognose: Das Management kappte das Umsatzziel für 2026 von 56 Millionen auf 50,6 Millionen kanadische Dollar. Als Grund nannte das Unternehmen die anhaltenden Engpässe bei Batterien und Motoren, die Auslieferungen in der ersten Jahreshälfte verzögert hätten.
Parallel dazu lancierte Volatus mit V-Cortex ein neues KI-gestütztes Flugsteuerungs- und Autonomiesystem – ein Schritt, der die technologische Positionierung des Unternehmens im Markt für unbemannte Systeme unterstreichen soll, auch wenn sich der kommerzielle Beitrag noch nicht in den Zahlen niederschlägt.
An der Börse bleibt die Aktie unter Druck: Sie notiert aktuell bei 0,3140 Euro und liegt damit 43 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 0,5550 Euro, das im März markiert wurde.
Zum 200-Tage-Durchschnitt von 0,3848 Euro beträgt der Abstand 18 Prozent nach unten – ein Signal dafür, dass der mittelfristige Trend trotz der jüngsten operativen Fortschritte angeschlagen bleibt. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 9,2 Prozent zu Buche.
Für Anleger bleibt die Gemengelage zweigeteilt: Auf der einen Seite stehen wachsende Serviceumsätze, eine robuste Kassenposition und eine neue Fabrik mit erheblichem Kapazitätspotenzial. Auf der anderen Seite belasten die gekappte Guidance und ungelöste Lieferkettenprobleme das Vertrauen des Marktes. Ob Mirabel die Wende bringt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich die Engpässe bei Batterien und Motoren auflösen.
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