Der Großaktionär wird ungeduldig. Porsche SE fordert von Volkswagen ein deutlich schnelleres Tempo beim Konzernumbau und verlangt laut Spiegel die Aufgabe von „Denkverboten“ bei Werksschließungen und Personalabbau. Die Familie Porsche-Piëch, die über die Holding maßgeblichen Einfluss auf den Wolfsburger Autobauer ausübt, sieht offenbar keine Zeit mehr für zögerliche Entscheidungen.

Pötsch spricht von historischem Wendepunkt

Den Druck erhöht auch Porsche-SE-Chef Hans Dieter Pötsch. Er drängt Volkswagen laut Manager-Magazin zu einem schnellen Sparprogramm, nachdem die Holding im ersten Halbjahr 2026 einen Milliardenverlust durch Abschreibungen auf ihre VW-Beteiligung verzeichnet hat. Konkret meldete Porsche SE für das erste Halbjahr einen Gewinnrückgang um 14,5 Prozent auf 949 Millionen Euro sowie einen Nettoverlust von 2,2 Milliarden Euro – nach einem Gewinn von 338 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Pötsch bezeichnete die Lage als kritischen, historischen Wendepunkt für Volkswagen und mahnte rasche Entscheidungen an.

Im Raum steht ein Abbau von bis zu 100.000 Stellen und die Schließung von vier Werken in Deutschland. Nach dem Plan von Konzernchef Oliver Blume sollen zunächst bis zu 50.000 Stellen gestrichen werden. Für die ohnehin unter Ergebnisdruck stehende Kernmarke wäre das ein tiefer Einschnitt in die deutsche Werkslandschaft.

Vorstandsumbau bei Audi könnte Kettenreaktion auslösen

Parallel zum Sparkurs bahnt sich an der Konzernspitze eine personelle Rochade an. Ein Mitglied des Audi-Vorstands soll offenbar die Position des Nordamerikachefs im Konzern übernehmen. Ein solcher Wechsel könnte laut Manager-Magazin ein weitreichendes Umrücken zentraler Positionen im gesamten Volkswagen-Konzern nach sich ziehen – ein Signal dafür, wie stark der Umbaudruck inzwischen bis in die Führungsebene reicht.

Operative Marge sinkt, Zölle und China belasten

Die operativen Zahlen liefern den Hintergrund für die Ungeduld der Anteilseigner. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte der Volkswagen-Konzern einen Umsatz von 158,1 Milliarden Euro, nahezu unverändert gegenüber den 158,4 Milliarden Euro des Vorjahreszeitraums. Das operative Ergebnis brach dagegen um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro ein, die operative Marge sank auf 3,8 Prozent. US-Zölle belasten den Konzern nach eigenen Angaben mit rund 5 Milliarden Euro pro Jahr, zugleich brach der Absatz in China im ersten Halbjahr um ein Fünftel ein. Der US-Marktanteil liegt derzeit bei etwa 4 Prozent, weshalb eine Pick-up-Strategie gemeinsam mit Ford im Gespräch ist.

Nicht alles läuft gegen den Konzern: Die Elektro-Orderbank in Europa wuchs um 50 Prozent, für die neuen Modelle ID. Polo, ID. Cross, CUPRA Raval und Škoda Epiq gingen zusammen mehr als 70.000 Bestellungen ein. Konzernchef Blume bezeichnete Volkswagen als handlungsfähig und betonte, die Transformation zahle sich aus – räumte aber zugleich ein, dass die Kosten weiterhin zu hoch seien. Am Freitag stellte Volkswagen zudem mit dem ID. ERA 5X ein neues elektrisches SUV vor, Details zu Reichweite, Leistung und Preis blieben zunächst offen.

Aktie bleibt unter Druck, Erholung von den Tiefstständen

An der Börse kam die Kombination aus Reformdruck und schwachen Halbjahreszahlen zuletzt gemischt an. Zum Wochenschluss am Freitag legte die Volkswagen-Vorzugsaktie um 1,51 Prozent auf 76,42 Euro zu. Auf Jahressicht bleibt die Bilanz jedoch deutlich negativ: Seit Jahresbeginn liegt das Papier 26,63 Prozent im Minus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 109,10 Euro, das die Aktie im Dezember erreicht hatte, trennen den Kurs inzwischen fast 30 Prozent.

Anleger dürften die kommenden Wochen genau beobachten. Der Druck von Porsche SE, die schwache operative Marge und die drohende Werksschließungswelle treffen auf einen Konzern, der zugleich in der Elektromobilität erste Erfolge vermeldet. Wie schnell Volkswagen die geforderten Entscheidungen tatsächlich trifft, dürfte darüber entscheiden, ob sich die jüngste leichte Erholung der Aktie fortsetzt oder im Sand verläuft.