Volkswagen plant offenbar den Abbau von weiteren 50.000 Arbeitsplätzen weltweit. Das geht aus Medienberichten und einem internen Memo von Konzernchef Oliver Blume hervor. Zusammen mit bereits beschlossenen Kürzungen könnten damit bis zu 100.000 Stellen wegfallen. Die Aktie reagiert kaum: Sie notiert bei 71,86 Euro, ein Plus von 0,11 Prozent.
Ein Kostennachteil von 20 Prozent
Der Auslöser ist eine harte Zahl. Volkswagen liegt bei den Overhead-Kosten rund 20 Prozent über dem Wettbewerbsniveau. Das entspricht einer Lücke von etwa 11 Milliarden Euro.
In seinem Memo vom 13. Juli 2026 macht Blume klar: Die bisherigen Sparmaßnahmen reichen nicht aus. Zusätzlich zu den für Deutschland bis 2030 geplanten 50.000 Stellenstreichungen kommen nun weitere 50.000 Jobs weltweit auf die Streichliste. Ende 2025 beschäftigte der Konzern weltweit noch 662.942 Mitarbeiter, inklusive der chinesischen Joint Ventures.
Die Zahlen für 2025 zeigen, warum Blume handelt. Der Umsatz lag bei 321,9 Milliarden Euro. Das Nettoeinkommen brach dennoch auf 6,9 Milliarden Euro ein.
Werke unter Beobachtung
Volkswagen will die jährliche Produktionskapazität von 12 Millionen auf etwa 9 Millionen Fahrzeuge senken. Das trifft mehrere deutsche Standorte hart. Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm stehen unter besonderem Druck, dort arbeiten zusammen rund 45.000 Menschen.
Der Aufsichtsrat hat konkrete Werksschließungen zuletzt abgelehnt. Blume hält trotzdem an seinem Restrukturierungsprogramm fest. Es umfasst 12 Initiativen und 45 Einzelbeschlüsse. Über sozialverträgliche Vereinbarungen wurden bislang bereits rund 37.000 Stellen abgebaut.
Gewerkschaft warnt, Analysten bleiben optimistisch
Die IG Metall reagierte schnell. Bezirksleiter Daniel Friedrich warnte vor Standortschließungen. Stattdessen fordert er eine strukturelle Neuausrichtung und effizientere Prozesse. Deutschland bleibe wettbewerbsfähig, sofern Doppelstrukturen fallen und der Tarifvertrag unangetastet bleibt.
Die Analysten von Jefferies sehen das Papier trotz der Krise optimistisch. Sie bestätigten am 10. Juli 2026 ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 120 Euro. Das liegt deutlich über dem aktuellen Niveau.
Charttechnik zeigt tiefe Spuren
Die Kursentwicklung spiegelt die Unsicherheit wider. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 32,27 Prozent verloren, zum 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro fehlen 34,13 Prozent. Erst vor zwei Wochen, am 1. Juli, markierte das Papier bei 69,20 Euro ein neues Jahrestief.
Auch die technischen Indikatoren signalisieren Schwäche. Der Kurs liegt 13,69 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 23,14 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 33,3 nähert sich der überverkauften Zone.
Die annualisierte Volatilität von 32,46 Prozent zeigt: Anleger sind nervös. Das dürfte kein Zufall sein. Laut IAB steckt die deutsche Industrie im stärksten Stellenabbau seit Ende des Zweiten Weltkriegs — Volkswagen ist damit kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Bruchs.
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