Der Aufsichtsrat hat den Restrukturierungsplan von Konzernchef Oliver Blume Anfang Juli mit den Stimmen von Arbeitnehmervertretern und dem Land Niedersachsen blockiert, ein Abstimmungsergebnis von 12 zu 7 wird berichtet. Eine neue Sitzung ist erst für September angesetzt. Bis dahin bleibt der Wolfsburger Autobauer in der Schwebe – und Blume erhöht den Druck mit einer Zahl, die er bislang vermieden hatte.
Blume nennt erstmals eine konkrete Zahl
In einem internen Intranet-Interview bestätigte der VW-Chef, dass theoretisch bis zu 50.000 zusätzliche Stellen weltweit auf dem Prüfstand stehen könnten. Grundlage ist eine Rechnung: Die Gemeinkosten des Konzerns liegen rund 20 Prozent über denen vergleichbarer Wettbewerber. Bliebe diese Lücke bei unveränderten Arbeitskosten bestehen, ergäbe sich rechnerisch ein Abbaupotenzial in dieser Größenordnung. Diese 50.000 kämen zusätzlich zu dem bereits vereinbarten Stellenabbau von ebenfalls 50.000 Positionen in Deutschland bis 2030 hinzu – macht in Summe bis zu 100.000 Stellen, wie mehrere Berichte übereinstimmend festhalten. Von den bereits vereinbarten Kürzungen sind nach Konzernangaben 37.000 Verträge unterschrieben, 27.000 Beschäftigte sollen noch bis Jahresende ausscheiden. Zusätzlich sollen bis 2030 rund 5.000 Management-Stellen wegfallen.
Vier Werke gelten als besonders gefährdet: Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm haben nach Konzernangaben keine gesicherte Auslastung für die 2030er-Jahre. Insgesamt hängen an den Standorten rund 40.000 Arbeitsplätze. Berichten zufolge könnte die Fahrzeugproduktion in Zwickau und Emden bis 2031 auslaufen, in Hannover bis 2032 und in Neckarsulm bis 2034. Für den Standort Osnabrück laufen Gespräche mit der Rüstungsindustrie als mögliche Alternative zur Autoproduktion.
Blume selbst versuchte gegenüber der „Bild am Sonntag“ zu beruhigen: „Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen.“ Zugleich räumte er ein, dass die Produkte des Konzerns zwar beliebt, aber nicht profitabel genug seien. Die Modellpalette soll bis 2030 um bis zu 50 Prozent schrumpfen, die Zahl der Ausstattungsvarianten um bis zu 75 Prozent sinken. Die Produktionskapazität soll von zwölf auf neun Millionen Fahrzeuge jährlich zurückgefahren werden – eine Reaktion auch auf europaweite Überkapazitäten von schätzungsweise 500.000 Einheiten. US-Zölle belasten den Konzern zusätzlich mit rund 5 Milliarden Euro pro Jahr.
Absatzeinbruch in China, Lichtblick beim ID.Polo
Operativ bleibt der Druck hoch: Im zweiten Quartal 2026 lieferte Volkswagen weltweit 2,08 Millionen Fahrzeuge aus, ein Rückgang von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In China, dem einst wichtigsten Wachstumsmarkt, brachen die Verkäufe um 37 Prozent auf noch 424.300 Fahrzeuge ein. Einen Lichtblick liefert die neue Einstiegsfamilie ID.Polo: Für das Elektroauto gingen laut Unternehmen binnen vier Wochen 50.000 Bestellungen ein.
Der Betriebsrat reagiert scharf auf die Kommunikationsstrategie des Managements. Ein zuvor gestelltes Ultimatum zur Offenlegung der Pläne ließ die Konzernführung verstreichen, was zu Vorwürfen mangelnder Transparenz und eines Vertrauensverlusts führte. Die IG Metall warnt zudem vor Plänen, Kernmarke und Komponentenfertigung aus der Volkswagen AG herauszulösen, um Mitbestimmungsrechte zu umgehen – das VW-Gesetz sichert Niedersachsen mit 20,2 Prozent der Stimmrechte eine Sperrminorität. Nach der Sommerpause könnten außerordentliche Betriebsversammlungen folgen.
Aktie nahe am Jahrestief
An der Börse notiert die Vorzugsaktie aktuell bei 71,30 Euro, ein Plus von 0,34 Prozent gegenüber dem Freitagsschluss von 71,06 Euro. Der Kurs bewegt sich damit nur noch 3,03 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro, das erst am 1. Juli markiert wurde. Zum 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro aus dem Dezember 2025 klafft dagegen eine Lücke von 34,65 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Minus von 5,49 Prozent zu Buche, auf Monatssicht von 19,80 Prozent, seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf 32,80 Prozent. Der Titel notiert damit auch deutlich unter seinen gleitenden Durchschnitten: 14,97 Prozent unter der 50-Tage-Linie und 23,89 Prozent unter der 200-Tage-Linie. Der Relative-Stärke-Index von 31,1 signalisiert eine überverkaufte Situation, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 32,38 Prozent die Nervosität rund um den Titel unterstreicht. Bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im September dürfte diese Unsicherheit den Kurs weiter begleiten.
Volkswagen-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Volkswagen-Analyse vom 13. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Volkswagen-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Volkswagen-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 13. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Volkswagen: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...


