Vier deutsche Werke stehen vor dem Aus. Der Aufsichtsrat von Volkswagen berät heute über das Sparprogramm „Group Target Picture 2030″. Es geht um den größten Umbau in der Firmengeschichte.
Zwölf Millionen Autos sind zu viel
Volkswagen hat in Europa zu viele Fabriken. Der Vorstand will die Kapazität von zwölf auf neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr senken. Das Ziel: eine operative Rendite zwischen acht und zehn Prozent, auch bei kleineren Stückzahlen.
Deutsche Werke kosten im Schnitt 6.600 Euro pro Fahrzeug. Das liegt deutlich über dem Niveau anderer europäischer Standorte im Konzern. Durch Verlagerungen ins Ausland will das Management die Fabrikkosten um rund 3.700 Euro pro Auto drücken. Der Konzern rechnet intern mit Restrukturierungskosten von etwa 6 Milliarden Euro.
Vier Standorte, ein Zeitplan
Die Pläne sehen ein schrittweises Auslaufen vor. Nach dem Ende der aktuellen Modellzyklen sollen die betroffenen Werke keine neuen Aufträge mehr erhalten.
- Emden und Zwickau: Leerlauf ab 2031. Die Nachfolger von ID.4 und Audi Q4 e-tron sollen nach Tschechien oder in die Slowakei wandern.
- Hannover: Ende der Neubelegung ab 2032.
- Neckarsulm: Der Audi-Standort ist ab 2034 betroffen.
Insgesamt stehen bis zu 100.000 der weltweit rund 657.000 Arbeitsplätze zur Disposition. Die Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen leisten erbitterten Widerstand. Niedersachsen hält 20 Prozent der Anteile und damit eine Sperrminorität. Die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Julia Willie Hamburg stellte vor der Sitzung klar: Reine Werksschließungen seien keine nachhaltige Zukunftsstrategie.
Der Aktienkurs zeigt die Zerreißprobe
Die Vorzugsaktie schloss gestern bei 72,88 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von 31,31 Prozent zu Buche. Erst am 1. Juli fiel der Titel auf ein neues 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro — vom Jahreshoch bei 109,10 Euro im Dezember trennen die Aktie mittlerweile über 33 Prozent.
Der RSI von 33,1 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 93,96 Euro fehlen der Aktie noch 22,44 Prozent. Hinzu kommt Gegenwind aus China: Dortige Hersteller gewinnen in Europa Marktanteile und erhöhen den Druck auf die etablierten Konzerne, ihre Kosten zu senken.
Belastend wirkt zudem die Lage beim strategischen Partner Rivian. Der US-Elektroautobauer kündigte eine Kapitalerhöhung an und geriet dadurch unter Druck — Marktbeobachter spekulieren über einen steigenden Finanzierungsbedarf für die gemeinsame Software-Entwicklung.
Was von der heutigen Sitzung zu erwarten ist
Lehnt der Aufsichtsrat das Sparprogramm ab oder entschärft er es deutlich, dürfte sich die Unsicherheit für die Aktie verlängern. Die Fronten zwischen Vorstand, Gewerkschaften und der Landespolitik in Hannover sind verhärtet. Beobachter rechnen eher mit einem politischen Kompromiss als mit einer vollständigen Umsetzung der ursprünglichen Pläne.
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