Volkswagen-Vorzüge auf dem tiefsten Stand seit 15 Jahren — das ist kein Ausrutscher, sondern das Ergebnis einer Krise, die sich Schicht für Schicht aufbaut. Am Freitag drückte der Dividendenabschlag die Aktie auf ein Intraday-Tief von 79,02 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 24 Prozent.

Dividende trotz Gewinneinbruch

Am Freitag wurde die Aktie erstmals ohne Dividendenanspruch gehandelt. Vorzugsaktionäre erhalten 5,26 Euro je Aktie, Stammaktionäre 5,20 Euro — Auszahlung am 23. Juni 2026. Die Ausschüttung klingt solide, ist aber 17 Prozent niedriger als im Vorjahr.

Der Grund liegt auf der Hand: Das Konzernergebnis brach 2025 um 44 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro ein. Trotzdem schüttet VW rund 2,6 Milliarden Euro aus. Umweltorganisationen wie der BUND und der Dachverband der Kritischen Aktionäre halten das für falsch. Sie fordern, das Geld in kleine, sparsame E-Fahrzeuge aus europäischer Produktion zu stecken. VW verweist auf eine solide Finanzbasis und eine Mindestausschüttungsquote von 30 Prozent.

Umbau im großen Maßstab

Konzernchef Oliver Blume sprach auf der Hauptversammlung am 18. Juni Klartext. Das über Jahrzehnte erfolgreiche Geschäftsmodell funktioniere in seiner bisherigen Form nicht mehr. VW will die weltweiten Produktionskapazitäten um eine Million Fahrzeuge kürzen — je 500.000 Einheiten in Europa und China.

Bis 2030 fallen konzernweit rund 50.000 Stellen weg. Allein bei der Kernmarke VW sind es 35.000 Jobs. Mehr als 28.000 freiwillige Austritte hat der Konzern bereits verbindlich vereinbart. Finanzvorstand Arno Antlitz nennt den verschärften Wettbewerb aus China als zentralen Treiber.

Osnabrück als Sinnbild der Lage

Besonders deutlich zeigt sich der Druck in Osnabrück. Ab August 2026 läuft die Produktion des T-Roc Cabrio nur noch vier Tage pro Woche. Der Werksurlaub im August wird verlängert. Für die rund 2.000 Beschäftigten ist die Lage ernst: Die Arbeit am Standort geht nach 2027 absehbar zur Neige, neue Perspektiven fehlen noch.

Technisch notiert die Aktie mit einem RSI von 29 im überverkauften Bereich und liegt rund 15 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 95,12 Euro. Ob der Kurs die psychologisch wichtige Marke von 80 Euro halten kann, hängt maßgeblich davon ab, wie glaubwürdig VW den Restrukturierungskurs in den nächsten Quartalen umsetzt.