Die Ingolstädter VW-Tochter hat das dritte Quartal knapp über der Verlustschwelle beendet und die Jahresziele gekappt. Für den Konzern kommt die Nachricht einen Tag nach den eigenen schwachen Zahlen. Hinzu kommt Ärger um den Audi-Chef.

Audi verdient kaum noch

Nach Steuern blieben Audi im dritten Quartal nur 95 Millionen Euro. Das sind 87 Prozent weniger als vor einem Jahr. Nach neun Monaten steht ein Gewinn von 1,22 Milliarden Euro zu Buche, bei einem Umsatz von 42 Milliarden Euro.

Die Prognose fällt entsprechend niedriger aus. Audi erwartet für 2026 nur noch 55 bis 59 Milliarden Euro Umsatz und eine operative Rendite von 3 bis 5 Prozent.

Zuvor standen 58 bis 63 Milliarden Euro und 5 bis 7 Prozent im Plan. Finanzchef Jürgen Rittersberger leitet aus den neuen Zielen ab, dass das vierte Quartal wieder besser ausfallen soll.

Als Gründe nennt Audi den Markteinbruch in China, vor allem bei Verbrennern, sowie den Exportdruck chinesischer Hersteller auf Europa. Hinzu kommen höhere Energiekosten durch die Lage im Nahen Osten und die US-Zölle. Audi hat anders als Mercedes und BMW kein eigenes Werk in den USA und trifft das besonders. Mercedes verdiente im dritten Quartal 1,52 Milliarden Euro.

Sparkurs und Streit um Döllner

„Der Handlungsbedarf bei Audi ist hoch und duldet keinen Aufschub“, sagte Rittersberger. Konkrete Folgen für die deutschen Standorte nannte Audi nicht. Weitere Maßnahmen sollen gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat erarbeitet werden. Im Raum steht sogar das Aus für das Werk Neckarsulm. Anfang Oktober hatte Audi die sogenannte Schlechtwetterklausel gezogen, die Verhandlungen über Einsparungen vorschreibt.

Parallel dazu steht Konzernchef Gernot Döllner in der Kritik. Er trat am Wochenende bei einer Wahlkampfveranstaltung gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump auf, der dort ein neues Audi-Werk in Georgia verkündete. Kritiker verweisen darauf, dass interne Richtlinien solche Auftritte kurz vor Wahlen ausschließen. Teils werden Rücktrittsforderungen laut. Döllner verteidigt den Schritt als Respekt vor dem Amt und im Interesse des Unternehmens.

Das Werk selbst gilt als sinnvoll. Geplant sind 4,5 Tausend Arbeitsplätze, jährlich 200.000 SUV und Investitionen von rund vier Milliarden Dollar. Details zu Förderung und möglichen Zollvorteilen ließ Rittersberger offen.

Lichtblick aus der Rivian-Kooperation

Aus der Kooperation mit Rivian kommen Signale der Entspannung. Rivian-Chef RJ Scaringe nannte die Beziehung „sehr positiv“ und wies Berichte über Integrationsprobleme als Rauschen zurück. Das erste VW-Modell mit Rivian-Technik, ein günstiges E-Auto für Europa, soll 2027 starten. Volkswagen will zudem die Technik des KI-Assistenten von Rivian lizenzieren.

Die Vorzugsaktie notierte am Morgen mit 58,10 Euro leicht im Plus. Der Aufsichtsrat von Audi tagt heute außerplanmäßig, dort dürften die Zahlen und Döllners Auftritt auf der Tagesordnung stehen. Am 3. November folgen die US-Zwischenwahlen.