Volkswagen steckt in einer Zwickmühle. China bricht weg, der Sparplan des Vorstands steht, doch der Aufsichtsrat blockiert die entscheidenden Schritte. Am Freitag reagiert die Börse mit einem deutlichen Kursrutsch.

Die Aktie notiert bei 70,58 Euro und verliert im Tagesverlauf 2,38 Prozent. Damit nähert sich das Papier seinem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro, das erst Anfang Juli markiert wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 33,48 Prozent zu Buche, gegenüber dem 50-Tage-Durchschnitt von 84,10 Euro liegt der Kurs mehr als 16 Prozent zurück.

China reißt die Auslieferungen nach unten

Der Konzern lieferte im ersten Halbjahr 2026 weltweit rund 4,13 Millionen Fahrzeuge aus. Das sind 6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum mit 4,41 Millionen Einheiten. Verantwortlich dafür ist vor allem der chinesische Markt: Im zweiten Quartal brachen die Verkäufe dort um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge ein.

Andere Regionen zeigen sich robuster. In Westeuropa wuchsen die Auslieferungen leicht um knapp 2 Prozent auf rund 900.000 Fahrzeuge. Nordamerika legte sogar um fast 8 Prozent auf 242.000 Einheiten zu. Bei vollelektrischen Fahrzeugen läuft es in Europa besonders gut: Der Auftragsbestand stieg gegenüber Ende 2025 um mehr als 50 Prozent, getrieben von der neuen „Electric Urban Car Family“.

Der Zukunftsplan 2030

CEO Oliver Blume hat dem Aufsichtsrat ein umfassendes Sparprogramm vorgelegt. Zwölf Initiativen sollen den Konzern schlanker machen:

  • Die Modellzahl außerhalb Chinas soll bis 2035 von rund 150 auf etwa 75 sinken.
  • Die Ausstattungsvarianten sollen um bis zu 75 Prozent zurückgehen.
  • Die Produktionskapazität soll von 12 auf 9 Millionen Fahrzeuge pro Jahr schrumpfen.
  • Die Investitionen für 2027 bis 2031 sollen von geplanten 180 Milliarden auf 135 Milliarden Euro sinken.

Zusätzliches Geld soll der Verkauf einer 51-prozentigen Mehrheit an der Tochter Everllence an Bain Capital bringen. Der Deal würde Volkswagen 7,4 Milliarden Euro einbringen.

Betriebsrat stellt Ultimatum

Der Plan allein reicht nicht. Der Aufsichtsrat blockierte das Paket in der Sitzung am Donnerstagabend mit 12 zu 7 Stimmen. Die Arbeitnehmervertreter verweigerten ihre Zustimmung zu konkreten Werksschließungen und zum Stellenabbau.

Im Raum stehen interne Planungen für einen Abbau von bis zu 120.000 Stellen. Betroffen wären womöglich die Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm. Betriebsratschefin Daniela Cavallo hat dem Vorstand ein Ultimatum gestellt, das heute ausläuft. Sie fordert eine klare Stellungnahme zu den kolportierten Plänen — bleibt diese aus, drohen außerordentliche Versammlungen nach der Sommerpause.

Analysten uneinig, Chart überverkauft

Die Einschätzungen der Analysten gehen auseinander. JPMorgan beließ die Einstufung bei „Neutral“ mit Kursziel 110 Euro und lobte den Fokus auf die Kostenstruktur. UBS warnt dagegen vor möglichen Gewinnwarnungen wegen hoher Rückstellungen für das Sparprogramm.

Der RSI liegt derzeit bei 29,5 und signalisiert damit einen technisch überverkauften Zustand. Die fundamentale Unsicherheit bleibt trotzdem der entscheidende Treiber. Solange der Konflikt zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern ungelöst bleibt, dürfte der Kurs unter Druck stehen. Das Ultimatum von Cavallo läuft heute aus — die Reaktion des Vorstands darauf wird zeigen, wie es an den Standorten Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm weitergeht.