Volkswagen braucht ein stärkeres Schlussquartal, um seine Auslieferungsprognose zu erreichen. Die gestern veröffentlichten Absatzdaten zeigen stattdessen einen beschleunigten Rückgang: Im dritten Quartal 2026 lieferte der Konzern weltweit 1,885 Millionen Fahrzeuge aus. Das waren 14,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Europas Elektroauto-Aufträge geben Hoffnung, gleichen die aktuellen Absatzverluste aber noch nicht aus.
Laut Reuters war dies der stärkste Quartalsrückgang seit dem Frühjahr 2022. Damit wächst der Druck auf den Konzern: Eine Erholung der Bestellungen muss sich erst in tatsächlich ausgelieferten Fahrzeugen niederschlagen.
Jahresprognose verlangt eine Aufholjagd
Von Januar bis September 2026 lieferte Volkswagen nach eigenen Angaben weltweit 6,011 Millionen Fahrzeuge aus. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Minus von 9,0 Prozent.
Die bisherige Entwicklung liegt damit unter dem für das Gesamtjahr angekündigten Auslieferungskorridor. Für Anleger wird entscheidend, ob Volkswagen den Rückstand im Schlussquartal ausreichend verkleinern kann.
Die Prognose sieht für 2026 einen Rückgang zwischen 3 und 7 Prozent vor. Nach Berechnungen der Börsen-Zeitung wären im Schlussquartal mehr als 2,3 Millionen Auslieferungen nötig, um das untere Ende dieser Prognose zu erreichen.
Eine bloße Stabilisierung auf dem jüngsten Quartalsniveau würde dafür nicht genügen. Volkswagen benötigt eine deutliche Belebung des Absatzes, während mehrere wichtige Regionen zuletzt weiter nachgaben.
Rückgänge erfassen die großen Pkw-Marken
Besonders schwer wiegt die Entwicklung in China. Dort sanken die Auslieferungen im dritten Quartal um 38,5 Prozent auf 405.800 Fahrzeuge. In den ersten neun Monaten betrug das Minus 30,2 Prozent.
Volkswagen bezeichnet den starken Rückgang des chinesischen Gesamtmarkts laut Reuters als branchenweite Herausforderung. Die Belastung beschränkt sich allerdings nicht auf China: Auch Nordamerika und Westeuropa verzeichneten im jüngsten Quartal niedrigere Auslieferungen.
Innerhalb des Konzerns traf die Schwäche mehrere große Pkw-Marken. Volkswagen Pkw verlor im dritten Quartal 19,3 Prozent, Audi 19,7 Prozent und Porsche 15 Prozent.
Škoda hielt seine Auslieferungen dagegen stabil. Auch die Lkw-Sparte Traton legte zu. Diese Unterschiede zeigen, dass sich die Absatzlage innerhalb des Konzerns nicht einheitlich entwickelt. Die Zuwächse einzelner Bereiche reichten jedoch nicht aus, um den weltweiten Rückgang aufzuhalten.
Elektroauto-Aufträge liefern noch keinen Ausgleich
In Europa bietet das Elektrogeschäft einen Gegenpol: Die vollelektrischen Auslieferungen stiegen von Januar bis September um 12,1 Prozent auf 586.100 Fahrzeuge. Ihr Anteil an den europäischen Auslieferungen erreichte 20 Prozent.
Noch stärker fällt ihre Bedeutung im Auftragsbestand aus. Das spricht für weiteres Absatzpotenzial, ist aber nicht mit bereits realisierten Verkäufen gleichzusetzen.
Nach Angaben von Volkswagen hat sich der europäische Elektroauto-Auftragsbestand gegenüber Ende 2025 verdoppelt. Vollelektrische Modelle machen rund 40 Prozent des Bestands aus. Für die Electric Urban Car Family liegen knapp 150.000 Bestellungen vor.
Weltweit blieb das vollelektrische Geschäft dennoch rückläufig. Europas Wachstum bietet somit eine regionale Stütze, aber noch keinen konzernweiten Ausgleich für die Absatzschwäche.
Am 29. Oktober stehen die Quartalszahlen an. Analysten erwarten einen Gewinn je Aktie von 5,26 Euro und rund 79 Milliarden Euro Umsatz.
Dann rückt neben der Stückzahlentwicklung auch deren finanzielle Wirkung in den Mittelpunkt. Für Anleger zählt vor allem, ob Volkswagen trotz der gesunkenen Auslieferungen seine Ergebnisziele stützen kann. Die Absatzmeldung allein liefert dafür noch keinen Beleg.
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