Oliver Blume wird konkret. In einem internen Interview bezifferte der Volkswagen-Chef den Kostennachteil des Konzerns gegenüber der Konkurrenz erstmals klar: Die Gemeinkosten liegen mehr als 30 Prozent über denen vergleichbarer Hersteller. Die vielzitierte Zahl von rund 50.000 Stellen weltweit sei dabei kein fixes Ziel, sondern lediglich ein Indikator für das Ausmaß der nötigen Maßnahmen, so Blume.
Bemerkenswert ist die Einordnung, die der VW-Chef seiner eigenen Kostenanalyse mitgibt: Es handle sich nicht um eine VW-spezifische Krise, sondern um eine Krise der gesamten Autoindustrie.
Diese Formulierung könnte auch als Versuch gelesen werden, den internen Reformdruck in einen branchenweiten Kontext einzubetten — während die kontrollierenden Familien hinter Volkswagen erst Anfang des Monats auf dramatische Restrukturierungsanstrengungen gepocht hatten.
Modellpalette soll sich halbieren
Neben den Gemeinkosten nannte Blume ein zweites Sparfeld: die Modellvielfalt. Aktuell bietet Volkswagen konzernweit rund 150 Modelle an. Durch den Abbau von Varianten und Überschneidungen soll sich diese Zahl auf etwa 75 halbieren. Ab 2027 soll sich schrittweise zeigen, wie der Konzern seine Komplexität reduziert und die Modellpalette schärft.
Vier deutsche Werke bleiben dabei im Fokus: Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm sollen laut Blume in den 2030er-Jahren keine wettbewerbsfähige Kapazitätsauslastung erreichen. Eine Entscheidung über konkrete Werksschließungen gebe es aber noch nicht.
Zwickau wartet auf Klartext
Genau an diesem Punkt setzt der Unmut in der Belegschaft an. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen Sachsen, Mike Rösler, fordert vor Blumes erstem Besuch bei einer Betriebsversammlung in der E-Auto-Fabrik Zwickau in der kommenden Woche endlich klare Aussagen zur Zukunft nach 2030 — bis dahin gilt eine Standortgarantie, danach ist offen.
Die Zahlen aus Zwickau verdeutlichen den Druck: Von einst rund 11.000 Beschäftigten sind noch etwa 8.000 übrig, weitere gut 1.000 Stellen sollen planmäßig wegfallen. Das Werk ist für 360.000 Fahrzeuge ausgelegt, 2026 dürften es nur rund 202.000 werden.
Bei voller Auslastung käme Zwickau laut Rösler auf ähnliche Stückkosten wie die Skoda-Fabrik im slowakischen Bratislava — ein Beleg dafür, dass nicht die Technik, sondern die Auslastung das Kostenproblem treibt.
Als Ausgleich baut Volkswagen in Zwickau die Demontage von Gebrauchtfahrzeugen als neues Geschäftsfeld auf, mit dem Ziel, ab 2030 jährlich bis zu 15.000 Fahrzeuge zu zerlegen. Eine Hoffnung für den Standort ist zudem die mögliche Fertigung von Modellen wie dem ID.Unyx 08 oder dem ID.Era 9X, die Volkswagen bislang nur in China baut.
Blume tritt in der kommenden Woche an mehreren deutschen Standorten vor die Belegschaft — den Anfang macht Wolfsburg am Dienstag, Emden und Zwickau folgen am Mittwoch. Dort dürfte sich zeigen, ob aus den nun offen genannten Kostenzahlen konkrete Werkszusagen oder erste Schließungssignale werden.
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