Vier deutsche Werke stehen auf der Kippe. Der Aufsichtsrat von Volkswagen berät diese Woche über ein Sparprogramm, das bis zu 100.000 Arbeitsplätze kosten könnte. Die Börse reagiert bereits jetzt mit deutlichen Verlusten.

Radikaler Sparkurs unter Beschuss

Vorstandschef Oliver Blume kämpft mit erheblichem Widerstand gegen seine Restrukturierungspläne. Ein diskutiertes Szenario sieht die Schließung der Standorte Hannover, Emden, Zwickau und des Audi-Werks Neckarsulm vor. Der Abbau von 37.000 Stellen gilt bereits als beschlossen. Weitere Kapazitätskürzungen könnten die Gesamtzahl der gefährdeten Jobs auf bis zu 100.000 treiben.

Hinter den harten Einschnitten steckt wachsender Druck durch chinesische Hersteller. Zusätzlich belastet die schleppende Umstellung auf Elektromobilität die Bilanz. VDA-Präsidentin Hildegard Müller forderte am Mittwoch dringende Reformen bei den Arbeitskosten. Sie schlug außerdem vor, bedrohte Werke auch für ausländische Hersteller zu öffnen.

Machtkampf gefährdet die E-Auto-Strategie

Der Sparkurs löst heftigen Widerstand aus. Die IG Metall rief für Mittwoch zu einem bundesweiten Aktionstag gegen die drohenden Schließungen auf. Im Aufsichtsrat formiert sich eine Allianz aus Arbeitnehmervertretern, dem Land Niedersachsen und Teilen der Eigentümerfamilien gegen Blumes radikale Pläne.

Branchenexperten warnen: Der interne Machtkampf könnte die technologische Weiterentwicklung ausbremsen. Besonders die Investitionen in die neue Elektro-Plattform SSP stehen unter Beobachtung.

Konzerntochter Audi verliert derweil an Boden. Mit rund 1,6 Millionen verkauften Fahrzeugen 2025 liegt der Absatz deutlich unter den früheren Bestwerten von zwei Millionen Einheiten. Der Standort Neckarsulm gilt wegen fehlender Auslastung und US-Importzöllen als besonders gefährdet.

Markt reagiert mit Kursverlusten

Die Volkswagen-Aktie fällt aktuell um 3,17 Prozent auf 73,38 Euro. Damit nähert sich das Papier wieder seinem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro, das die Aktie erst Anfang Juli erreichte. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 93,96 Euro klafft mittlerweile eine Lücke von fast 22 Prozent.

Der RSI von 33,7 signalisiert kurzfristig eine überverkaufte Situation. Das ändert aber wenig an der langfristigen Schwäche: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund 31 Prozent zu Buche. Auf Sicht von 30 Tagen verlor die Aktie fast 17 Prozent.

Immerhin ein Lichtblick bleibt: Bei der Elektromobilität in Deutschland führt Volkswagen mit 25.600 Neuzulassungen im zweiten Quartal 2026 weiterhin vor BMW mit 19.000 Fahrzeugen. Der Wettbewerbsdruck aus China und den USA lässt diesen Vorsprung jedoch schmelzen.

Die anstehenden Aufsichtsratsbeschlüsse werden zeigen, wie viel von Blumes Sparplan tatsächlich Bestand hat. Bis dahin bleibt die Aktie zwischen Widerstand der Gewerkschaften, politischem Druck aus Niedersachsen und dem Kostendruck des Weltmarkts gefangen.