Konzernchef Oliver Blume sagte laut einem Interview mit der Bild am Sonntag vom 12. Juli 2026: „Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen.“ Der Satz fällt nur zwei Tage, nachdem der Aufsichtsrat ein radikales Sparpaket des Vorstands gestoppt hat. Zwölf von 19 Aufsichtsratsmitgliedern stimmten am 9. Juli gegen die Pläne, Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen sperrten sich gegen Werksschließungen und den geplanten Stellenabbau.
Aufsichtsrat blockiert Sparkurs
Konkret ging es um mögliche Schließungen von bis zu vier deutschen Standorten. Als gefährdet gelten Zwickau, Emden, Neckarsulm und Hannover mit zusammen rund 40.000 Beschäftigten. Weltweit stand ein Stellenabbau von bis zu 120.000 Jobs im Raum, 50.000 Kürzungen gelten als bereits beschlossen. Ein Analyst von Jefferies stellte fest, dass es bislang weder bei Werksschließungen noch beim Investitionsplan oder beim Personalabbau eine Einigung gebe. Als Kernproblem der Vorstandsseite gilt eine zu geringe Marge pro verkauftem Fahrzeug – deutsche Standorte produzieren nach Angaben aus dem Konzernumfeld rund zwei Drittel teurer als etwa Werke in Portugal oder Spanien. Der Betriebsrat um seine Vorsitzende Cavallo wirft dem Management fehlende Transparenz vor und hat Betriebsversammlungen angekündigt.
Blume verweist stattdessen auf bereits erzielte Fortschritte: Die Fabrikkosten in Deutschland seien 2025 um 20 Prozent gesenkt worden. Als Erfolgsbeispiel führt er den neuen ID.Polo an, von dem sich in den ersten vier Wochen mehr als 50.000 Einheiten verkauft hätten. Die „intelligenteren Lösungen“ sollen nach seinen Worten über die Optimierung von Prozessen, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Automatisierung sowie die Weiterqualifizierung der Belegschaft laufen.
Modellpalette soll drastisch schrumpfen
Unabhängig vom Streit um die Werke hält der Konzern an einer tiefgreifenden Straffung der Produktpalette fest. Bis 2035 soll die Zahl der Modelle halbiert, die Komplexität um bis zu 75 Prozent reduziert werden. Die Jahresproduktionskapazität soll bis 2030 um eine Million auf neun Millionen Fahrzeuge sinken. Zusätzlich sollen bis 2030 rund 5.000 Management-Stellen wegfallen. Ziel der Maßnahmen ist eine Gewinnmarge von 8 bis 10 Prozent, wie es in Berichten zur Konzernstrategie heißt.
Hintergrund des Drucks ist die schwache Geschäftsentwicklung, besonders in China. Im ersten Halbjahr 2026 gingen die Auslieferungen dort um 26,1 Prozent zurück, der niedrigste Stand seit 2010. Im zweiten Quartal brachen die China-Verkäufe sogar um 36,6 Prozent ein, während die Elektroauto-Verkäufe im Land um 14 Prozent zulegten – ein Hinweis darauf, dass Volkswagen dort gegenüber heimischen Anbietern an Boden verliert. Konzernweit sanken die Auslieferungen im zweiten Quartal um 8,6 Prozent auf unter 2,1 Millionen Fahrzeuge.
Aktie nahe Jahrestief, Stimmung angeschlagen
Die Vorzugsaktie von Volkswagen schloss am Freitag bei 71,06 Euro, ein Minus von 1,31 Prozent auf Tagesbasis. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 5,25 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sind es 17,85 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier 33,03 Prozent eingebüßt, gegenüber dem Stand vor zwölf Monaten liegt es 24,45 Prozent im Minus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 109,10 Euro, erreicht am 15. Dezember 2025, trennen die Aktie inzwischen 34,87 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro, aufgestellt erst am 1. Juli 2026, beträgt der Abstand lediglich 2,69 Prozent.
Auch die technischen Indikatoren spiegeln den Abwärtstrend: Der Kurs notiert 15,51 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 84,11 Euro und 24,22 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 93,78 Euro. Der RSI von 30,2 signalisiert eine überverkaufte Situation, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität mit 32,21 Prozent auf erhöhte Nervosität am Markt hindeutet. Die Marktkapitalisierung beläuft sich umgerechnet auf 32,75 Milliarden Euro. Anleger dürften in den kommenden Wochen genau beobachten, ob es Blume gelingt, Vorstand, Aufsichtsrat und Belegschaft auf einen gemeinsamen Sparkurs einzuschwören, ohne die angekündigten Werksschließungen tatsächlich umsetzen zu müssen.
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