Volkswagen Aktie: Fortschrittliches Denken

Der Verkauf der Sparte Everllence könnte Volkswagen rund 8 Milliarden Euro einbringen und damit die Finanzierung der Elektro-Offensive erleichtern. Die Bilanzvorlage am 10. März steht im Fokus.

Volkswagen Aktie
Kurz & knapp:
  • Bewertung der Tochter übersteigt Prognosen um 30 Prozent
  • Private-Equity-Riesen und Yanmar im Bieterverfahren
  • Erlös soll teure Elektrifizierungsstrategie finanzieren
  • Aktie notiert mit deutlichem Jahresminus bei 94,40 Euro

Volkswagen liefert kurz vor der wichtigen Bilanzvorlage ein unerwartet starkes Signal. Der geplante Verkauf der Großdiesel-Sparte Everllence zieht offenbar deutlich höhere Gebote an als von Analysten prognostiziert. Mitten in der schwierigen Restrukturierung winkt dem Konzern damit ein unverhoffter Liquiditätsschub, der die angespannte Stimmung aufhellen könnte.

Bieterkampf treibt Bewertung

Der Verkaufsprozess für die Tochter Everllence, die Schiffsantriebe und Kraftwerksturbinen herstellt, entwickelt sich für die Wolfsburger besser als erwartet. Laut Insidern liegen Gebote vor, die das Unternehmen inklusive Schulden mit rund 8 Milliarden Euro bewerten. Das übertrifft die ursprüngliche Spanne von 5 bis 6 Milliarden Euro um gut 30 Prozent.

Private-Equity-Schwergewichte wie Blackstone, CVC und Brookfield haben es in die nächste Runde geschafft. Auch der japanische Motorenhersteller Yanmar zeigt Interesse. Für Volkswagen ist dies eine willkommene Nachricht: Die Aktie steht im laufenden Jahr mit einem Minus von rund 11 Prozent deutlich unter Druck und notiert aktuell bei nur 94,40 Euro. Der Markt hatte den Wert der Sparte, basierend auf Schätzungen der Deutschen Bank, bisher deutlich konservativer eingeschätzt.

Das Asset gilt als widerstandsfähig gegenüber technologischen Disruptionen durch KI, was die Investoren anlockt. Volkswagen plant, die Mehrheit abzugeben, will jedoch einen signifikanten Minderheitsanteil behalten. Bindende Angebote werden in etwa sechs Wochen erwartet.

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Kritischer Blick auf den 10. März

Die zusätzlichen Milliarden würden dem Konzern den nötigen Spielraum für die kostenintensive Elektrifizierungsstrategie verschaffen. Dies ist umso wichtiger, da der am 10. März anstehende Jahresabschluss 2025 durchwachsene Zahlen offenbaren dürfte.

In den ersten neun Monaten 2025 drückten Sondereffekte die operative Marge auf magere 2,3 Prozent. Das operative Ergebnis brach im Jahresvergleich um 58 Prozent ein. Immerhin gibt es beim Cashflow einen Lichtblick: Der Netto-Cashflow im Automobilgeschäft erreichte rund 6 Milliarden Euro und lag damit leicht über den internen Zielen.

Baustellen in China und den USA

Operativ bleibt die Lage herausfordernd. Während die Auslieferungen in Nordamerika zuletzt um über 18 Prozent zulegten, kämpft VW in China mit einem Rückgang von 8,3 Prozent. Die dortige Konkurrenz durch lokale E-Auto-Hersteller zwingt die Wolfsburger zu einer Modelloffensive: Partner SAIC-Volkswagen plant für 2026 die Einführung von sechs neuen Energiefahrzeugen.

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Gleichzeitig sorgt die geopolitische Lage für Unsicherheit. Das eingefrorene EU-US-Handelsabkommen und die Zolldrohungen belasten die Planungssicherheit für den wichtigen Exportmarkt USA.

Fazit: Wichtige Weichenstellung

Der unerwartet hohe Verkaufserlös für Everllence könnte sich als entscheidender Baustein für die Finanzierung des Konzernumbaus erweisen. Das Management gewinnt dadurch finanzielle Flexibilität, um die Investitionen in neue Technologien trotz operativer Gewinnschwäche zu stemmen. Ob diese strategischen Fortschritte ausreichen, um das Vertrauen der Anleger nachhaltig zurückzugewinnen, wird sich am 10. März zeigen, wenn der Vorstand die Details zur Geschäftsentwicklung und den Sparzielen offenlegt.


Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.

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Diskussion zu Volkswagen

Über Felix Baarz 2018 Artikel
Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.