Volkswagen steckt mitten in einem offenen Machtkampf. Vorstand und Aufsichtsrat blockieren sich gegenseitig bei der Frage nach der Zukunft von vier deutschen Werken. Am Ende stehen bis zu 100.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Vorstand warnt vor 20 Prozent Kostennachteil
Am Montag informierte Konzernchef Oliver Blume die Belegschaft über neue Sparpläne. Zusätzlich zu bereits laufenden Kürzungen könnten 50.000 weitere Stellen wegfallen. Insgesamt stünden damit rund 100.000 Jobs zur Disposition – etwa 15 Prozent der weltweiten Belegschaft.
Blume begründet den Schritt mit einem Kostennachteil von rund 20 Prozent gegenüber den wichtigsten Wettbewerbern. Der Vorstand will die operative Marge 2026 im Korridor von 4,0 bis 5,5 Prozent halten. Dafür sieht er nur einen Weg: drastisch niedrigere Fixkosten.
Der Vorstand plant zusätzlich einen Kapazitätsabbau. Volkswagen will die globale Produktion von 10 auf 9 Millionen Fahrzeuge pro Jahr senken. Die Modellpalette soll langfristig halbiert werden.
Aufsichtsrat blockiert Werksschließungen
Der Aufsichtsrat lehnte die Vorstandspläne dennoch ab. Ein Antrag zur Schließung von vier Werken scheiterte mit 12 zu 7 Stimmen. Betroffen wären Hannover, Zwickau, Emden und Neckarsulm gewesen.
Betriebsratschefin Daniela Cavallo spricht von einem massiven Vertrauensverlust. Der Streit dreht sich vor allem um die Standortsicherung für die 2030er Jahre. Der Vorstand hatte bereits eingeräumt: Neue Produkte sind für die vier Werke aktuell nicht vorgesehen.
Das erhöht den Druck auf die Verhandlungen über den sogenannten Masterplan zur Konzernrestrukturierung.
Schwache Zahlen verschärfen die Lage
Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 verschärfen den Druck zusätzlich. Der Nettogewinn brach um 28 Prozent ein, auf 1,56 Milliarden Euro.
Der Umsatz sank leicht um 2 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro. Zusätzliche US-Zölle könnten Volkswagen jährlich bis zu 4 Milliarden Euro kosten.
Trotz der internen Spannungen hält das Management an der Jahresprognose fest. Für das Gesamtjahr erwartet Volkswagen ein Umsatzwachstum zwischen 0 und 3 Prozent, gemessen am Vorjahreswert von 321,9 Milliarden Euro.
Analysten und Kursreaktion
Die US-Bank JPMorgan bestätigte am 13. Juli 2026 ihre Einstufung „Neutral“ für Volkswagen. Das Kursziel bleibt bei 110 Euro. Analyst Jose M. Asumendi verweist auf stabile Absatzzahlen bei Elektro- und Hybridfahrzeugen sowie einen um 12 Prozent gestiegenen Auftragsbestand seit Jahresbeginn.
Am Dienstag notiert die Volkswagen-Aktie bei 71,70 Euro, ein Plus von 0,48 Prozent gegenüber dem Vortag. Seit Jahresbeginn hat der Titel dennoch rund 32 Prozent verloren.
Der Kurs liegt nur noch gut 3,6 Prozent über dem jüngsten 52-Wochen-Tief. Ein RSI von 32,6 signalisiert einen nahezu überverkauften Markt.
Der Machtkampf um die vier Werke bleibt vorerst ungelöst. Für Hannover, Zwickau, Emden und Neckarsulm gibt es weiterhin keine neuen Produktzusagen für die 2030er Jahre.
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