Nach gut zwanzig Jahren endet ein Kapitel der VW-Geschichte. Der Bundesgerichtshof hat die Milliardenklagen von US-Hedgefonds gegen die Porsche SE rechtskräftig abgewiesen. Für die Holding ist das ein später, aber klarer Erfolg.

Musterverfahren endgültig beendet

Der BGH wies die Rechtsbeschwerden mehrerer Kläger gegen eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Celle zurück, wie die Porsche SE mitteilte. Rund 40 Kläger, zumeist US-Hedgefonds, scheitern damit mit Schadensersatzforderungen von 5,4 Milliarden Euro.

Sie hatten der Holding vorgeworfen, den Markt beim schrittweisen Einstieg bei Volkswagen ab 2005 nicht rechtzeitig über ihre wahren Absichten informiert zu haben. Nun steht bindend fest, dass ihnen keine Ansprüche zustehen. Die ausgesetzten sechs Ausgangsverfahren müssen formal abgewiesen werden, das Kapitalanleger-Musterverfahren ist abgeschlossen.

Für Volkswagen selbst ist der Streit nur indirekt relevant. Er betraf die Holding als Großaktionärin, nicht den Konzern.

Porsche AG setzt auf Benziner

Operativ beschäftigt die Tochter Porsche den Konzern derzeit stärker. Konzernchef Michael Leiters will den Sportwagenbauer neu ausrichten und die Benzinerentwicklung wiederbeleben. Eine Verbrennerversion des Macan soll 2028 kommen. Die Elektroversion des Macan verkaufte sich im ersten Halbjahr rund 40 Prozent schlechter als im Vorjahr, die Verbrennervariante legte leicht zu.

Die Marge der Marke fiel 2025 auf 1,1 Prozent, 2023 waren es noch 18 Prozent. In China brachen die Auslieferungen im ersten Halbjahr um 32 Prozent ein. Volkswagen hatte zuletzt eine Gewinnwarnung veröffentlicht und dabei eine Abschreibung von sechs Milliarden Euro auf die Porsche-Beteiligung genannt.

Leiters kündigte für kommende Woche einen Kapitalmarkttag an. Dort will er einen neuen China-Ausblick vorstellen und die Gewinnschwelle deutlich senken. Weitere Stellenstreichungen über die vereinbarten 9.000 Stellen bis 2035 schließt er aus. Die mittelfristige Margenzielspanne von 10 bis 15 Prozent bleibt.

China als Dauerbelastung

Der Druck aus Fernost bleibt hoch. Leiters sprach von einer „unglaublichen Inflation an Produktneuheiten“, mit etwa zwei neuen Modellen pro Tag. Chinesische Hersteller wie BYD und Xiaomi dringen zudem in das Premiumsegment vor.

Eine Studie der Europäischen Zentralbank spricht bereits von einem „China-Schock 2.0“, weil sich die Exportstrukturen Chinas und der EU-Staaten angleichen. Betroffen sind vor allem Maschinen und Transportausrüstung.

Der Kapitalmarkttag von Porsche in der kommenden Woche liefert den nächsten konkreten Termin. Dort dürfte sich zeigen, wie tief die Neuausrichtung der Volkswagen-Tochter tatsächlich geht.