Volkswagen hat am 24. Juli seine Jahresprognose deutlich gesenkt und bestätigt zugleich einen historischen Stellenabbau. Der Wolfsburger Autobauer rechnet nun mit einem Umsatzrückgang von bis zu 3 Prozent statt des zuvor erwarteten Plus von bis zu 3 Prozent. Gleichzeitig bekräftigte der Konzern Pläne, weltweit bis zu 100.000 Arbeitsplätze zu streichen – doppelt so viele wie ursprünglich vorgesehen.

Gewinn bricht im zweiten Quartal deutlich ein

Die Zahlen zum zweiten Quartal offenbaren das Ausmaß der Krise. Der Konzerngewinn nach Steuern fiel auf 1,54 Milliarden Euro und damit um 32,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 2,29 Milliarden Euro. Der Umsatz legte zwar leicht um 2,0 Prozent auf 82,44 Milliarden Euro zu, das operative Ergebnis des Quartals sank jedoch um 9,5 Prozent auf 3,47 Milliarden Euro. Für das gesamte erste Halbjahr weist der Konzern ein operatives Ergebnis von 5,9 Milliarden Euro aus, ein Rückgang um 11,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die vielfach zitierte Zahl von 3,6 Milliarden Euro mit einem Plus von 4,5 Prozent bezieht sich dagegen nur auf die Kernmarkengruppe des Konzerns und lässt sich nicht mit dem Gesamtergebnis gleichsetzen.

Belastend wirkt insbesondere das China-Geschäft. Im zweiten Quartal brach der Absatz dort spürbar ein und lag nur noch bei 424.300 Fahrzeugen. Der wichtigste Einzelmarkt der Vergangenheit bereitet Volkswagen damit weiter erhebliche Probleme, während europäische und nordamerikanische Märkte den Umsatz stabilisieren konnten.

Audi kappt Margenziel, Werke ohne Perspektive

Auch die Tochter Audi musste ihre Erwartungen nach unten korrigieren. Am 27. Juli senkte die Ingolstädter Marke die operative Margen-Guidance um einen Prozentpunkt auf mindestens 5 Prozent. Zugleich reduzierte Audi die Umsatzerwartung von zuvor mindestens 63 Milliarden Euro auf nun mindestens 58 Milliarden Euro, wie Bloomberg berichtete.

Der Konzernumbau reicht tief in die Werksstruktur. Bereits am 9. Juli hatte der Aufsichtsrat beschlossen, die Modellpalette um bis zu 50 Prozent und die Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent zu reduzieren. Für vier Standorte – Hannover, Zwickau, Emden sowie das Audi-Werk Neckarsulm – hat das Management bislang keine Alternativnutzung gefunden. Der jetzt bestätigte Abbau von bis zu 100.000 Stellen weltweit dürfte diese Werke direkt treffen und zeigt, wie ernst die Konzernführung die strukturelle Schieflage einschätzt.

Ein Lichtblick bleibt der Verkauf von Everllence. Ende Juni vereinbarte Volkswagen exklusiv mit Bain Capital den Verkauf von 51 Prozent der Anteile, während der Konzern selbst 49 Prozent behält. Die Transaktion soll rund 7,4 Milliarden Euro Erlös bringen. Die deutschen Standorte Augsburg, Oberhausen, Berlin, Hamburg und Ravensburg bleiben davon unberührt und sollen mindestens bis Ende 2030 erhalten bleiben – ein seltenes Zugeständnis in einer Phase, die sonst von Kürzungen geprägt ist.

Aktie unter Druck, Kursziel gesenkt

An der Börse spiegelt sich die schwierige Lage deutlich wider. Der Kurs schloss am Donnerstag bei 75,28 Euro, ein Minus von 1,52 Prozent gegenüber dem Vortag. Zum 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro aus dem Dezember klafft mittlerweile eine Lücke von 31,00 Prozent – ein deutliches Zeichen dafür, wie stark das Papier seit Jahresbeginn unter Druck geraten ist. Am 27. Juli senkte eine Bank ihr Kursziel für Volkswagen von 99 auf 90 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei Kaufen.

Neben den Belastungen aus Umbau und China-Schwäche versucht Volkswagen, mit neuen Modellen Boden gutzumachen. Anfang August startete der Vorverkauf von Golf Hybrid und T-Roc Hybrid in Deutschland. Beide Modelle verfügen über einen Vollhybridantrieb mit 125 kW beziehungsweise 170 PS Leistung ohne externe Ladung, der Golf Hybrid R-Line startet ab 41.400 Euro. Ob solche Produktoffensiven ausreichen, um die strukturellen Probleme des Konzerns aufzufangen, bleibt angesichts der gesenkten Jahresprognose und des laufenden Stellenabbaus die entscheidende Frage für Anleger in den kommenden Quartalen.