Während der Aktienkurs unter Druck bleibt, steuert Volkswagen auf eine der härtesten Tarifrunden seiner jüngeren Geschichte zu. Die IG Metall hat eine Forderung beschlossen, die dem Konzern zur Unzeit kommt: fünf Prozent mehr Lohn für rund 130.000 Beschäftigte an den deutschen Standorten. Gleichzeitig kämpft das Unternehmen mit einer Gewinnwarnung, sinkenden Marktanteilen in China und einem Aktienkurs nahe mehrjähriger Tiefs.
Fünf Prozent Forderung trifft auf Sparkurs
Die Tarifkommission der IG Metall hat die Forderung einstimmig beschlossen — auch für Auszubildende, ergänzt um eine soziale Komponente für untere Entgeltgruppen. Verhandlungsführer Thorsten Gröger begründet den Vorstoß mit bereits erbrachten Einschnitten der Belegschaft, während Volkswagen zugleich Milliarden an Aktionäre ausgezahlt habe. Einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht, die Friedenspflicht läuft aber erst zum Jahreswechsel aus.
Brisanter ist ein anderer Termin: Am 30. September treffen sich Vertreter von Volkswagen, IG Metall und Betriebsrat in Hannover zu einem Überprüfungsgespräch. Es geht um die Frage, ob der Konzern die Zusagen aus dem Zukunftstarifvertrag von Ende 2024 noch einhält — jener Kompromiss, der nach Warnstreiks und einem wochenlangen Verhandlungsmarathon den Abbau von 35.000 Jobs bis 2030 regelte, im Gegenzug aber Werkschließungen und betriebsbedingte Kündigungen ausschloss.
Vorstand und Aufsichtsrat sehen diese Maßnahmen inzwischen als nicht ausreichend an, um die angepeilte operative Umsatzrendite von neun Prozent zu erreichen. Die Gewerkschaft wertet Äußerungen aus dem Vorstand als Zweifel an der Vertragstreue — Personalvorstand Arne Meiswinkel weist das zurück.
China verschärft den Druck
Zur hausgemachten Baustelle kommt eine externe: Volkswagens China-Chef Ralf Brandstätter rechnet für 2026 mit einem Einbruch des chinesischen Pkw-Marktes um bis zu 20 Prozent — eine Größenordnung, die er mit den Folgen der Corona-Pandemie vergleicht.
Für Volkswagen, das 2024 rund 2,9 Millionen Fahrzeuge in China verkaufte, wäre das ein empfindlicher Einschnitt in einem Markt, der lange als verlässliche Gewinnquelle galt. Chinesische Hersteller wie BYD, Nio und Geely bauen ihre Position bei Elektrofahrzeugen und Software weiter aus und setzen die etablierte Konkurrenz zunehmend unter Preisdruck.
Bernstein Research bestätigte sein „Market-Perform“-Rating mit einem Kursziel von 100 Euro und ordnet die Lage nüchterner ein: Unter den Massenherstellern hätten bislang nur Stellantis-Marken nennenswerte Marktanteile an chinesische Konkurrenten verloren, während Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz und Renault sich vergleichsweise besser behaupteten, als es die Investoren aktuell einpreisen.
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Nach einer kurzen Erholungsrallye ist die Vorzugsaktie wieder unter die 50-Tage-Linie gefallen, nachdem der Konzern seine Margenprognose für 2026 von bislang vier bis 5,5 Prozent auf nur noch bis zu ein Prozent gesenkt hatte. Ein Teil der Belastung entfällt auf eine Abschreibung des Porsche-Firmenwerts, ein weiterer Teil auf Restrukturierungskosten und das schwächelnde China-Geschäft.
Am 30. September wird sich zeigen, ob Volkswagen an den Werkstandort-Zusagen aus dem Zukunftstarifvertrag festhält oder ob der Konzern angesichts der verschärften Lage nachverhandeln will. Für die Aktie bleibt der Bereich zwischen 70 und 72 Euro die entscheidende Marke — fällt sie darunter, drohen laut charttechnischer Einschätzung neue Mehrjahrestiefs.
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