Europas größter Autobauer will mit einer strategischen Neuausrichtung verlorenen Boden gutmachen, stößt dabei im Heimatmarkt jedoch auf erhebliche interne Hürden. Die Volkswagen Group bekräftigte mit ihrer Initiative „For Europe“ und dem Zukunftsplan 2030 das Ziel, den Konzern sowie seine Kernmarken leistungsfähiger und wettbewerbsstärker aufzustellen.

An der Börse verharrt das Papier dennoch unter Druck: Am Dienstag notiert die Aktie bei 68,12 Euro, was einem Tagesminus von 0,9 Prozent entspricht. Damit liegt der Kurs nur rund 1,6 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief.

Zukunftsplan 2030 setzt auf Kerntechnologien

Im Mittelpunkt der Initiative stehen die Stärkung europäischer Wertschöpfungsketten sowie beschleunigte Investitionen in Schlüsseltechnologien. Als zentrale Technologiefelder definiert das Management um Konzernchef Oliver Blume die Elektromobilität, Batterietechnologie, Software und künstliche Intelligenz. Einen neuen finanziellen Ausblick formulierte Volkswagen im Zuge dieser Mitteilung allerdings nicht.

Die technologische Neuausrichtung untermauerte der Konzern bereits wenige Tage zuvor mit konkreten Industrieallianzen. Zusammen mit der Batterietochter PowerCo und Gotion High-tech wurden drei Joint Ventures vereinbart, um eine regionale europäische Lieferkette für Kathodenmaterial und LFP-Batteriezellen aufzubauen.

Vorgesehen sind gemeinsame Aktivitäten an den Standorten Valencia, Šurany und Kenitra. Der Partner Gotion soll rund 1,1 Milliarden Euro investieren und dafür 49 Prozent am Werk in Valencia übernehmen, während PowerCo die Mehrheit behält.

Volkswagen vereinbarte zugleich den Verkauf eines Anteils von 5,3 Prozent an der bestehenden Beteiligung an Gotion, behält nach Vollzug aber weiterhin eine relevante Beteiligung.

Scharfe Auseinandersetzung um Tarifverträge

Während der Konzern seine strategischen Weichen stellt, verschärft sich die Lage an den Heimatstandorten spürbar. Volkswagen kündigte verschiedene Tarifverträge zum Jahresende auf.

Als Gründe führte das Unternehmen geopolitische Spannungen, zunehmende Handelsbarrieren und einen intensiveren Wettbewerb insbesondere durch chinesische Hersteller an. Nach Angaben der IG Metall sind von der Kündigung zehn Vereinbarungen betroffen, darunter auch der Manteltarifvertrag.

Gewerkschaft und Betriebsrat kündigten umgehend Widerstand gegen diesen Schritt an. Am vergangenen Freitag wiesen die Arbeitnehmervertreter zudem Aussagen von Blume zu Mitbestimmung und Belegschaft entschieden zurück. Die Arbeitnehmerseite verlangt tragfähige Perspektiven für die deutschen Standorte, anstatt einseitige Kostensenkungen durchzusetzen.

Zusätzliche Belastungen aus dem operativen Geschäft dämpfen die Stimmung: Der Rückruf von Millionen Fahrzeugen vor rund zwei Wochen wegen möglicher Korrosion an einer Lenkungsverschraubung belastet die Bilanz weiterhin. Laut Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes betrifft diese Maßnahme in Deutschland rund eine Million Fahrzeuge der Konzernmarken Volkswagen, Audi und Seat.

Voller Kalender im Oktober

Auch die Analystenseite blickt zurückhaltend auf die anstehenden Aufgaben. Tim Rokossa von Deutsche Bank Research senkte am 29. September das Kursziel für Volkswagen von 115 auf 105 Euro, beließ die Einstufung aber auf „Buy“.

Als Begründung verwies er auf die strukturellen Herausforderungen auf dem chinesischen Markt und merkte an, dass die anstehende Berichtssaison nach dem dritten Quartal das vorherrschende Branchennarrativ kaum verändern dürfte.

Klarheit über den aktuellen Geschäftsverlauf sollen mehrere Investorentermine im laufenden Monat bringen. Am 12. Oktober veranstaltet die Volkswagen Group ein Investoren-Update in Paris, gefolgt von einer virtuellen Vorab-Telefonkonferenz zum dritten Quartal am 13. Oktober. Die vollständigen Zahlen folgen schließlich am 29. Oktober mit der Veröffentlichung des Zwischenberichts für die Monate Januar bis September 2026.