Vonovia hat im ersten Halbjahr 2026 kräftig zugelegt, doch die Börse honorierte das kaum. Der Wohnungskonzern aus Bochum steigerte den Gewinn, der den Aktionären zusteht, um 18 Prozent auf 947,3 Millionen Euro. Höhere Mieten trieben das operative Geschäft, während steigende Finanzierungskosten den Nettogewinn belasteten. Die Aktie reagierte am Mittwoch mit einem Kursrückgang von 2,35 Prozent auf 21,15 Euro – trotz bestätigter Jahresprognose.
Mietwachstum trägt operatives Geschäft
Das bereinigte EBITDA legte im ersten Halbjahr um 2,4 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro zu. Getragen wurde das Wachstum vom Vermietungsgeschäft: Das organische Mietwachstum lag bei 3,6 Prozent. Zum Stichtag Ende Juni bewirtschaftete Vonovia mehr als 528.000 Wohnungen in Deutschland, Schweden und Österreich – rund 5.000 weniger als im Vorjahr, ein Effekt laufender Verkäufe.
Besonders in Berlin zeigte sich der Effekt der Mietpolitik. Der im Mai in Kraft getretene Mietspiegel der Hauptstadt erlaubte Erhöhungen, von denen betroffene Mieter im Schnitt 4,8 Prozent mehr zahlen, umgerechnet rund 35 Cent pro Quadratmeter und maximal 70 Euro monatlich. Der Mietspiegel-Median liegt inzwischen bei 7,71 Euro pro Quadratmeter, ein Anstieg von 50 Cent gegenüber 2024. Vonovia selbst verlangt in Berlin im Durchschnitt 8,23 Euro pro Quadratmeter. Der Immobilienbestand des Konzerns wird mit 85,7 Milliarden Euro bewertet.
Finanzierungskosten drücken auf das Ergebnis
Dem operativen Aufschwung stehen steigende Zinslasten entgegen. Finanzvorstand Grosse bezifferte den Anstieg der Nettofinanzierungskosten im Halbjahresvergleich auf 40 Millionen Euro – von 363 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 406 Millionen Euro. Das bereinigte Vorsteuerergebnis sank entsprechend leicht um 2,6 Prozent auf 962,3 Millionen Euro. Grosse betonte, die höheren Kosten seien erwartungsgemäß eingetreten und würden proaktiv gemanagt: Seit Jahresbeginn hat Vonovia bereits 4,4 Milliarden Euro refinanziert. Parallel laufen Verkäufe im Volumen von 700 Millionen Euro, von denen 400 Millionen Euro bereits abgeschlossen sind.
An der Jahresprognose rüttelte das Management trotz der Zinsbelastung nicht. Für 2026 stellt Vonovia weiterhin ein Ergebnis zwischen 2,95 und 3,05 Milliarden Euro in Aussicht, das bereinigte Vorsteuerergebnis soll mindestens 1,9 Milliarden Euro erreichen. Dass der Konzern trotz eines schwierigeren Verkaufsumfelds an diesen Zielen festhält, wertete der Markt zunächst nicht als Beruhigungssignal – der Kursrückgang am Mittwoch fiel deutlich aus.
Analysten bleiben trotz Kursverlust zuversichtlich
Mehrere Häuser bekräftigten nach den Zahlen ihre positive Einschätzung. JPMorgan beließ Vonovia auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 34,50 Euro und verwies auf das überzeugende Vermietungsgeschäft sowie die bestätigten Ergebnisprognosen für 2026 und 2028 – trotz des weiterhin anspruchsvollen Verkaufsumfelds. Berenberg-Analyst Kai Klose stufte die Aktie ebenfalls auf „Buy“ mit demselben Kursziel von 34,50 Euro ein und sah den Konzern auf gutem Weg, seine operativen Ziele zu erreichen.
Zurückhaltender äußerte sich die DZ Bank. Analyst Karsten Oblinger senkte den fairen Wert von 33 auf 31 Euro, beließ die Einstufung aber auf „Kaufen“. Er begründete den Schritt mit gestiegenen Refinanzierungskosten und positionierte seine Schätzungen am unteren Ende der Managementprognosen.
Der Kursrutsch vom Mittwoch reiht sich in eine seit Monaten schwächere Entwicklung ein: Mit 21,15 Euro liegt die Aktie rund 28 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 29,24 Euro, das sie im August vergangenen Jahres erreicht hatte. Auch der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von gut 10 Prozent zeigt, dass das Papier seit Monaten unter Druck steht. Für Anleger bleibt damit die Kernfrage bestehen: Reicht das robuste Vermietungsgeschäft, um die Zinsbelastung mittelfristig zu kompensieren – die genannten Kursziele der Analysten würden dafür sprechen.
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