Nach einem drastischen Abverkauf zeigt die Vonovia-Aktie ein erstes Lebenszeichen. Der Kurs hat sich in den letzten sieben Tagen um knapp fünf Prozent auf 20,86 Euro erholt. Der freie Fall scheint vorerst gestoppt. Für mich ist das aber noch lange keine Trendwende.
Die Zinslast drückt massiv
Deutschlands größter Vermieter kämpft mit enormen Problemen. Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins am 11. Juni auf 2,25 Prozent angehoben. Das trifft den Immobiliensektor hart. Für Vonovia ist diese Zinswende eine direkte Belastung. Der Konzern muss allein in diesem Jahr rund 1,6 Milliarden Euro an Schulden refinanzieren. Die Konditionen dafür sind deutlich schlechter als früher.
Das erste Quartal offenbarte dieses Dilemma schonungslos. Das operative Ergebnis im Vermietungsgeschäft stieg zwar um gut sechs Prozent. Unter dem Strich sank der bereinigte Gewinn für die Aktionäre aber um über sieben Prozent. Mein Urteil: Das Kerngeschäft floriert dank des Wohnungsmangels. Die immensen Schulden fressen die Gewinne jedoch sofort wieder auf.
Warten auf den Stichtag
Charttechnisch ist die Aktie weiterhin angeschlagen. Mit einem aktuellen Abstand von 15 Prozent zur 200-Tage-Linie bleibt der Abwärtstrend intakt. Der Markt blickt nun nervös auf den 30. Juni. An diesem Tag bewertet Vonovia sein gesamtes Immobilienportfolio neu.
Fallen die Abwertungen milder aus als befürchtet, könnte der Boden bei rund 20 Euro halten. Der Markt hat einen massiven Abschlag auf den Buchwert meiner Meinung nach bereits eingepreist. Institutionelle Investoren brauchen nun aber endgültige Klarheit über die Substanzwerte. Erst dann werden sie wieder zugreifen.
Strategie trifft auf harte Realität
Immerhin verharrt das Management um CEO Luka Mucic nicht in Schockstarre. Vonovia treibt die energetische Sanierung durch eine Partnerschaft mit dem Technologieunternehmen Nokera voran. Parallel dazu will der Konzern seine Solarziele bereits Ende 2026 erreichen. Diese Schritte senken langfristig die Betriebskosten. Kurzfristig bieten sie aber keinen Schutz gegen den enormen Zinsdruck.
Auch die jüngst gezahlte Dividende von 1,25 Euro je Aktie lindert den Schmerz kaum. Bei einer Marktkapitalisierung von über 17 Milliarden Euro wird klar: Das fehlende Vertrauen in künftiges Kurswachstum wiegt derzeit viel schwerer als die reine Ausschüttung.
Fazit
Für mich bleibt die Vonovia-Aktie aktuell eine klassische Value-Falle. Sie wird erst dann zu einem attraktiven Kauf, wenn die Zinsen endgültig einen Deckel finden. Der zweistellige Kursverlust seit Jahresbeginn zeigt zwar das theoretische Erholungspotenzial. Solange die Inflation im Euroraum aber weitere Zinsschritte provoziert, steht die aktuelle Bodenbildung auf wackeligen Beinen. Ein echtes Kaufsignal entsteht aus meiner Sicht erst, wenn der Kurs die 200-Tage-Linie bei 24,57 Euro nachhaltig durchbricht.
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