Vonovia notiert am Mittwoch bei 18,92 Euro und damit nur knapp über dem am Vortag markierten 52-Wochen-Tief von 18,79 Euro. Die Aktie des größten deutschen Wohnungskonzerns hat allein in den vergangenen 30 Tagen 12 Prozent verloren. Der Abwärtstrend, der die Aktie seit Monaten begleitet, hat sich damit weiter verfestigt.
Ende August passten zwei Analysehäuser ihre Einschätzungen an. Barclays-Analyst Paul May senkte das Kursziel von 23,00 auf 20,00 Euro und bestätigte die Einstufung „Underweight“. Er begründete den Schritt mit einem geänderten Bewertungsansatz für die europäische Immobilienbranche.
Goldman-Sachs-Analyst Jonathan Kownator reduzierte sein Kursziel von 34,20 auf 29,50 Euro, hielt aber an der Einstufung „Buy“ fest. Als Grund nannte er höhere Kapitalkosten, die er nach dem Halbjahresbericht in seine Schätzungen einarbeitete.
Operatives Geschäft trotzt dem Kursverfall
Die Geschäftszahlen zum ersten Halbjahr, die Vonovia Anfang August vorlegte, zeichnen ein anderes Bild als der Aktienkurs. Der Gewinn je Aktie stieg auf 0,87 Euro von 0,38 Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz legte um 3,01 Prozent auf 1,68 Milliarden Euro zu.
Das Mietwachstum auf vergleichbarer Fläche lag bei 4,0 Prozent, nahezu unverändert zum Gesamtjahr 2025 mit 4,1 Prozent. Vonovia bestätigte die Guidance für das bereinigte EBITDA von 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro sowie die weiteren Zielgrößen für das laufende Jahr.
Auch bei der Bilanzqualität zeigt sich eine leichte Verbesserung: Der Verschuldungsgrad, gemessen als Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA, sank von 13,8x auf 13,7x, die Beleihungsquote LTV verbesserte sich von 45,4 auf 45,1 Prozent.
Bis 2028 will der Konzern den Verschuldungsgrad auf unter 12x drücken und die Beleihungsquote auf rund 40 Prozent senken. Das organische Mietwachstum dürfte 2026 allerdings um 20 Basispunkte geringer ausfallen als bislang erwartet – Vonovia verweist dabei auf den Berliner Mietspiegel als Belastungsfaktor.
Kapitalmarktaktivitäten und Ausblick
Im Juni platzierte Vonovia erfolgreich eine zinslose Wandelanleihe über 850 Millionen Euro, aufgestockt von ursprünglich 750 Millionen Euro. Die Anleihe läuft bis Ende Juni 2031, der Rückzahlungsbetrag liegt bei 109,78 Prozent des Nennwerts, der Wandlungspreis bei 28,0402 Euro. Der Nettoerlös soll allgemeinen Unternehmenszwecken und der Schuldentilgung dienen – ein Baustein auf dem Weg zu den selbst gesteckten Entschuldungszielen.
Die Diskrepanz zwischen operativer Stabilität und Kursentwicklung dürfte Anleger in den kommenden Wochen weiter beschäftigen. Die nächste Bilanzvorlage mit den Zahlen zum dritten Quartal ist für den 4. November angesetzt. Bis dahin bleibt die Frage im Raum, ob die von Goldman Sachs trotz gesenktem Kursziel bestätigte Kaufempfehlung oder die skeptischere Haltung von Barclays die Marktstimmung besser trifft.
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