Auf der Expo Real stellt Vonovia die neue Dienstleistungsmarke Veveus vor; nach der Berliner Landtagswahl steht zugleich der Wohnungsbestand des Konzerns erneut in der Vergesellschaftungsdebatte. Wie viel Spielraum bleibt bei der Entschuldung? Andreas Sommer schaut dafür zuerst auf die Entscheidungen der neuen Führung.

Vonovia (DE000A1ML7J1) — Schlusskurse 08.04.2026 bis 05.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 05.10.2026.

Vonovia (DE000A1ML7J1) — Schlusskurse 08.04.2026 bis 05.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 05.10.2026.

Trading-Treff Redaktion: Angenommen, Vonovia erhält das bislang unbestätigte Alecta-Mandat für rund 50.000 Wohnungen: Würde Veveus damit die Mittelverwendung von Luka Mucic überzeugend verändern?

Andreas Sommer: Das wäre ein brauchbarer Beleg für die Richtung: Erträge aus der Verwaltung fremder Wohnungen, ohne dafür einen eigenen Bestand zukaufen zu müssen. Vonovia betreut bereits rund 75.000 Wohnungen für Dritte; Veveus bündelt diese Arbeit. Ein Auftrag allein tilgt keine Schulden. Und ob Alecta ihn vergibt, hängt noch von den Gesprächen mit Heimstaden Bostad ab.

Trading-Treff Redaktion: Sie sagen: „Ein Auftrag allein tilgt keine Schulden.“ Warum geben Sie Veveus überhaupt Gewicht, wenn Vonovia für die Entschuldung Wohnungen verkaufen muss?

Andreas Sommer: Verkäufe bleiben der Hebel für die Entschuldung. Mucic muss die Erlöse dafür einsetzen, statt wieder auf Zukäufe zu setzen; seine eigene Bilanz bei Vonovia ist noch zu kurz, um ihm diese Disziplin schon gutzuschreiben. Veveus kann daneben Erträge bringen. Ich gewichte die Verwendung der Verkaufserlöse weit höher als einen neuen Namen am Messestand.

Trading-Treff Redaktion: Nach der Berliner Wahl wird über Vergesellschaftung diskutiert. Steht damit Ihre Entschuldungsthese auf tönernen Füßen?

Andreas Sommer: Ja, falls die Politik Verkäufe von Wohnungen praktisch blockiert. Dann fehlt Vonovia ein Weg, Schulden zu senken. Die Debatte allein ist für mich noch keine solche Sperre.

Trading-Treff Redaktion: Vonovia trägt hohe Schulden, und die Refinanzierung wird teurer. Worauf gründet sich Ihr Urteil, dass der Bewertungsabschlag zu groß ist?

Andreas Sommer: Die Wohnungen sind gefragt, und die lange Zinsbindung verschafft Zeit. Das ist wertvolle Substanz, löst das Schuldenproblem aber nicht von selbst. Solange Verkäufe die Schulden tatsächlich senken, halte ich den Abschlag für überzogen. Vonovias Größe hilft bei Verwaltung und Instandhaltung; bei den Mieten sind die Spielräume begrenzt.

Trading-Treff Redaktion: Ihr Urteil liegt nahe am Analysten-Konsens. Warum trauen Sie Mucic bei der Mittelverwendung mehr zu als seinem Vorgänger?

Andreas Sommer: Das tue ich bislang nicht. Buchs Zukäufe haben den Bestand vergrößert und die Schuldenlast mitgeprägt; Mucic muss erst zeigen, was er anders macht. Buchs Aktienverkauf kurz vor seinem Abschied werte ich nicht als belastbares Warnsignal, die gemeldeten Bezugsrechte aus der Aktiendividende erst recht nicht.

Wenn Verkäufe gelingen und die Schulden trotzdem nicht sinken, gebe ich meine Gegenposition zum Abschlag auf. Erkennbar wäre das in den Berichten der kommenden zwei bis vier Quartale.

Trading-Treff Redaktion: Sie knüpfen Ihr Urteil daran, dass Verkäufe die Schulden tatsächlich senken. Ist der Bewertungsabschlag bei Vonovia damit gerechtfertigt?

Andreas Sommer: Für die kommenden zwei bis vier Quartale halte ich ihn für überzogen. Mein Vertrauen gilt noch nicht Mucic, und Veveus hat wenig bewiesen. Ich setze darauf, dass Vonovia Verkaufserlöse zur Entschuldung nutzt. Der nächste Bericht über Verkäufe und Schulden kann diese Sicht schnell widerlegen.