Goldman Sachs hat seine positive Haltung zu Vonovia heute aufgegeben. Die Analysten stuften die Aktie von „Buy“ auf „Neutral“ herab und senkten das Kursziel von 29,50 Euro auf 21,20 Euro. Zugleich flog der Titel aus der „Conviction List“ des Bankhauses – jener Auswahl an Aktien, denen Goldman besonderes Vertrauen entgegenbringt.

Der Schritt markiert eine Kehrtwende. Noch Ende August hatte Goldman Sachs die Einstufung „Buy“ bestätigt, wenn auch das Kursziel bereits von 34,20 auf 29,50 Euro gesenkt wurde. Dass das Institut nun binnen weniger Wochen erneut nachjustiert und diesmal die gesamte Kaufempfehlung zurückzieht, wiegt schwerer als eine bloße Zielkorrektur.

Analysten uneins, aber zunehmend skeptisch

Barclays hatte bereits Ende August seine kritische Haltung untermauert: Die Einstufung „Underweight“ blieb bestehen, das Kursziel wurde von 23 auf 20 Euro gesenkt. Mit der heutigen Herabstufung von Goldman rückt die Meinungslage insgesamt näher an die skeptischere Barclays-Position heran – der zuvor deutliche Abstand zwischen beiden Häusern schrumpft.

Der Markt reagierte prompt. Die Aktie verliert am heutigen Montag 2,5 Prozent und markiert damit erneut ein Niveau nahe ihrem 52-Wochen-Tief von 18,66 Euro, das erst vor wenigen Tagen erreicht wurde. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursrückgang von 24 Prozent zu Buche – ein Verlust, der die strukturellen Zweifel der Analysten widerspiegelt.

Steigende Zinsen belasten die Bewertung

Hintergrund der Skepsis sind vor allem steigende Anleiherenditen, die Immobilienwerte grundsätzlich unter Druck setzen. Höhere Zinsen verteuern die Refinanzierung und drücken auf die Bewertung von Wohnungsportfolios – ein Thema, das derzeit die gesamte Branche begleitet.

Für Vonovia kommen dabei die Wirksamkeit einer bedingten Kapitalerhöhung sowie der Verkauf eines Wohnportfolios in Lüneburg gemeinsam mit Partnern als zusätzliche Faktoren rund um die Aktie hinzu.

Operativ zeigt sich das Unternehmen dagegen zuversichtlich. Nach den Halbjahreszahlen Anfang August bestätigte Vonovia seine Jahresziele und sprach von attraktivem Wachstum im Kerngeschäft sowie einer positiven Bewertungssituation. Die Marktreaktion auf diese Zahlen fiel damals allerdings verhalten aus – ein Muster, das sich nun mit der Herabstufung durch Goldman Sachs fortsetzt.

Blick auf die kommenden Wochen

Anleger richten den Blick nun auf den 3. November, wenn Vonovia seine Zahlen zum dritten Quartal vorlegt. Bis dahin dürfte die Aktie zwischen den skeptischen Analystenstimmen und den zuversichtlichen Unternehmensaussagen hin- und hergerissen bleiben. Die Herabstufung von Goldman Sachs, bislang einer der optimistischsten Häuser für den Titel, entzieht der Aktie jedenfalls eine wichtige Stütze.