Heute vorgelegte Daten des Kiel Instituts für Weltwirtschaft belegen einen spürbaren Anstieg der Wohnungsmieten in deutschen Großstädten. Im dritten Quartal kletterten die Angebotsmieten gegenüber dem Vorquartal um 1,2 Prozent. Unter den acht größten Städten der Bundesrepublik verzeichneten insbesondere Berlin und Düsseldorf die kräftigsten Zuwächse.
Für Wohnungsgesellschaften wie Vonovia liefert die anhaltende Nachfrage nach Wohnraum eine fundamentale Stütze im operativen Geschäft. An den Finanzmärkten wird diese Entwicklung jedoch von übergeordneten Sorgen um Finanzierungskosten und Vermögensbewertungen überlagert. Im heutigen Handel notiert das Papier bei 16,84 Euro, was einem leichten Tagesplus von 1,2 Prozent entspricht.
Belastungsfaktoren dämpfen den Ausblick
Gestern passte das Analysehaus Jefferies seine Einschätzung für den DAX-Konzern an. Analyst Pierre-Emmanuel Clouard senkte das Kursziel für die Vonovia-Aktie von 28,50 Euro auf 23,00 Euro, beließ die Einstufung jedoch auf „Buy“.
Clouard verwies in seiner Branchenanalyse auf mehrere grundlegende Bremsfaktoren, die europäische Immobilienwerte belasten. Dazu zählen neben einem schwächeren externen Wachstum und einer Verlangsamung beim Dividendenwachstum vor allem ein erneuter Druck auf die Bewertung von Immobilienvermögen sowie die hohen Zinskosten bei aktuellen Finanzierungen.
Medienberichten zufolge hatten steigende Anleiherenditen und die Verschuldung des Konzerns die Notierung in den vergangenen Wochen spürbar belastet, bevor eine Gegenbewegung einsetzte. Neben den rein finanziellen Rahmenbedingungen bewegt sich der Konzern in einem anspruchsvollen gesellschaftlichen Umfeld.
Zuletzt bezog Vonovia in einer Stellungnahme Position zu Themen wie Mieterhöhungen, Mahnverfahren und Rechtsstreitigkeiten im Vorfeld eines Austauschs mit Vertretern der Partei Die Linke.
Dienstleistungsgeschäft und neue Großaktionärsposition
Um neben dem klassischen Vermietungsgeschäft zusätzliche Ertragsquellen zu erschließen, treibt das Unternehmen den Ausbau von Dienstleistungen für Dritte voran.
Auf der Immobilienmesse EXPO REAL präsentierte Vonovia die Marke Veveus, die sich mit Investment-, Asset-, Property- und Facility-Management an institutionelle Eigentümer und Investoren richtet. Nach Unternehmensangaben bewirtschaftet der Konzern in diesem Segment bereits rund 75.000 Wohnungen im Auftrag Dritter.
Parallel dazu kommt Bewegung in die Aktionärsstruktur. Nach dem Überschreiten der Meldeschwelle am 7. Oktober hält die US-Bank JPMorgan Chase & Co. eine Gesamtposition von 5,25 Prozent an Vonovia. Dieser Anteil wird überwiegend über Finanzinstrumente und zu einem kleineren Teil über direkte Stimmrechte aus Aktien gehalten.
Neunmonatszahlen als nächster Gradmesser
Klarheit über den tatsächlichen Geschäftsverlauf im abgelaufenen Jahresviertel erwarten Investoren Anfang des kommenden Monats. Am 4. November veröffentlicht Vonovia den Zwischenbericht zum dritten Quartal.
Bei der Vorlage der Neunmonatszahlen dürfte im Mittelpunkt stehen, wie sich das Zusammenspiel aus Mietanpassungen, Zinsaufwendungen und Portfoliowertberichtigungen in der Bilanz niedergeschlagen hat. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie ein Minus von 31 Prozent, womit der Titel zu den schwächeren Werten im deutschen Leitindex zählt.
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