Bei Vonovia klaffen die Einschätzungen der Analysehäuser derzeit ungewöhnlich weit auseinander. Während mehrere Bankanalysten nach den Halbjahreszahlen an ihren Kaufempfehlungen festhielten, senkten unabhängige Researchhäuser den fairen Wert der Aktie deutlich – ein Signal für Anleger, dass die Bewertung des Wohnungskonzerns derzeit besonders kontrovers diskutiert wird.

Am Mittwoch passte ein Analysehaus den fairen Wert wegen schwächerer Umsatzprognosen und Margenannahmen von 23,00 Euro auf 19,00 Euro an. Bereits am 6. August hatte Morningstar seine „Hold“-Einstufung mit einem Fair Value von 19,00 Euro bestätigt und dabei die Umsatzprognosen für die Segmente Projektentwicklung und Immobilienverkäufe wegen des Zinsumfelds gesenkt.

Beide Häuser begründen ihre Zurückhaltung mit denselben strukturellen Faktoren: hohe Zinsen belasten das Verkaufsgeschäft und drücken auf die Margenerwartungen.

Bankanalysten bleiben zuversichtlich

Ein anderes Bild zeichnen die Bankanalysten. Karsten Oblinger von der DZ Bank reduzierte am 11. August zwar den fairen Wert von 33,00 auf 31,00 Euro, verwies dabei aber auf gestiegene Refinanzierungskosten und bestätigte die Kaufempfehlung. Auch Thomas Rothäusler von der Deutschen Bank bekräftigte am 6. August die Einstufung „Buy“ mit einem Kursziel von 26,00 Euro und lobte die Fortschritte bei den Immobilienveräußerungen.

Noch deutlicher positiv positionierten sich Berenberg und JPMorgan direkt nach Vorlage der Halbjahreszahlen am Mittwoch vergangener Woche. Analyst Kai Klose von Berenberg bestätigte sein „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 34,50 Euro, dem höchsten unter den genannten Häusern. JPMorgan-Analyst Neil Green beließ seine Einstufung auf „Overweight“ und verwies auf die Bestätigung der langfristigen Ergebnisprognosen bis 2028.

Die Spanne der Kursziele reicht damit von 19,00 Euro bei den fair-value-orientierten Häusern bis zu 34,50 Euro bei Berenberg – ein Unterschied, der die aktuelle Unsicherheit über die Bewertung von Vonovia illustriert. Während die einen auf das schwierige Refinanzierungsumfeld und schwächere Verkaufserlöse blicken, setzen die anderen auf die operative Stabilität im Vermietungsgeschäft und die langfristige Wachstumsstory.

Kurs bewegt sich unter wichtigen Durchschnitten

Der Aktienkurs spiegelt die Verunsicherung wider. Am Freitag schloss das Papier bei 20,66 Euro, ein Minus von 1,9 Prozent auf Tagesbasis. Damit notiert die Aktie rund 12 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 23,40 Euro und liegt nur noch knapp 5,8 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 19,53 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 16 Prozent zu Buche.

Die Marktkapitalisierung beläuft sich derzeit auf 17,46 Milliarden Euro. Für Anleger bleibt die Frage entscheidend, welches Lager mit seiner Bewertung richtig liegt: die vorsichtigeren Researchhäuser, die schwächere Verkaufserlöse und höhere Finanzierungskosten in den Vordergrund stellen, oder die Bankanalysten, die trotz des schwierigen Umfelds an ihren deutlich höheren Kurszielen festhalten. Die kommenden Quartale dürften zeigen, welche Einschätzung sich als tragfähiger erweist.