Vonovia hat am 5. August seine Halbjahreszahlen vorgelegt – und zeigt ein zweigeteiltes Bild. Operativ legte der Wohnungskonzern zu, unter dem Strich blieb für die Aktionäre jedoch weniger übrig. Trotzdem hält das Unternehmen an seinen Zielen für das Gesamtjahr fest, gestützt auf eine positive Immobilienbewertung und eine breit aufgestellte Refinanzierung.

Operatives Wachstum trifft auf steigende Finanzierungskosten

Das bereinigte EBITDA stieg im ersten Halbjahr 2026 um 2,4 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktionär sank dagegen um 4,9 Prozent auf 771,6 Millionen Euro, umgerechnet 0,91 Euro je Aktie. Vonovia begründet den Rückgang mit gestiegenen Finanzierungskosten – ein Effekt, der die operative Verbesserung mehr als aufzehrt.

Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte der Konzern dennoch seine Prognose: Ein Adjusted EBITDA Total zwischen 2,95 und 3,05 Milliarden Euro sowie ein Adjusted EBT von 1,9 bis 2,0 Milliarden Euro sollen erreicht werden, ebenso hält Vonovia an den strategischen Zielen für 2028 fest.

Innerhalb des Konzerns entwickelten sich die Segmente unterschiedlich. Der Bereich Value-add, zu dem die Handwerkerorganisation und das Energiegeschäft zählen, steigerte sein EBITDA um 27,6 Prozent auf 128,5 Millionen Euro.

Das Development-Segment brach dagegen wegen geringerer Verkaufsvolumina auf 20,1 Millionen Euro ein, nach 57 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Neubau- und Verkaufsbereich bleibt damit die Schwachstelle im Portfolio, während das Bestandsgeschäft die Ergebnisse stabilisiert.

Portfoliobewertung stützt die Substanz

Zum Stichtag 30. Juni 2026 wies die umfassende Bewertung des Immobilienportfolios einen Wertzuwachs von 1,1 Prozent ohne Investitionen beziehungsweise 1,8 Prozent inklusive Investitionen aus. Der Verkehrswert des Bestands beläuft sich damit auf 81,8 Milliarden Euro, der EPRA NTA je Aktie liegt bei 46,22 Euro.

Am Montag schloss die Vonovia-Aktie bei 21,01 Euro – die Substanzbewertung des Konzerns liegt damit deutlich über dem, was der Markt aktuell zahlt. Diese Lücke begleitet die Aktie schon seit längerem und bleibt trotz der bestätigten Prognose unverändert bestehen.

Auf der Finanzierungsseite kam Vonovia im ersten Halbjahr voran: Portfolioverkäufe brachten rund 700 Millionen Euro ein, seit Jahresbeginn wurden insgesamt 4,4 Milliarden Euro zu einem durchschnittlichen Kupon von 3,2 Prozent refinanziert.

Dazu zählt eine im Juni platzierte Nullkupon-Wandelanleihe über 850 Millionen Euro. Die vergleichsweise günstigen Konditionen dürften helfen, den Druck steigender Finanzierungskosten auf die kommenden Quartale zu begrenzen.

Politisches Signal aus Berlin

Rückenwind kam gestern von unerwarteter Seite: Vonovia begrüßte Pläne der Bundesregierung für ein bundesweites Verbot der Enteignung großer Wohnungsunternehmen.

Der Konzern wertet den Vorstoß als wichtiges Signal für verlässliche Rahmenbedingungen am Immobilienmarkt – ein Thema, das die Aktie in den vergangenen Monaten immer wieder belastet hatte, nachdem entsprechende Forderungen aus der Politik laut geworden waren. Ein gesetzlich verankertes Verbot würde eine der grundsätzlichen Unsicherheiten für institutionelle Vermieter ausräumen.

Kursreaktion bleibt verhalten

An der Börse hat sich die Nachrichtenlage bislang kaum niedergeschlagen. Die Aktie notiert aktuell rund 10,60 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 23,50 Euro und hat seit Jahresbeginn 14,38 Prozent verloren.

Analysten hatten nach den Halbjahreszahlen am Freitag ihre Umsatzschätzungen für 2026 von 3,5 auf 4,0 Milliarden Euro angehoben, was auf steigende Erwartungen an das operative Geschäft hindeutet – automatisierte Konsenswerte dieser Art bilden allerdings nur eine grobe Orientierung und ersetzen keine fundierte Einzelanalyse.

Für Anleger bleibt der Blick auf die kommende Quartalsmitteilung zum 30. September relevant, die für den 3. November angekündigt ist. Sie wird zeigen, ob die operative Stärke aus dem Value-add-Segment die Belastungen aus Development und Finanzierungskosten weiter ausgleichen kann.