Vonovia bleibt unter Druck. Die Aktie des Wohnimmobilienkonzerns schloss am Freitag bei 19,15 Euro, nur wenige Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 18,66 Euro, das erst Anfang September markiert wurde. Seit Jahresbeginn steht ein Kursverlust von 22 Prozent zu Buche, allein in den vergangenen 30 Tagen büßte das Papier 9,5 Prozent ein.
Analystenstimmen belasten die Stimmung
Vor gut zwei Wochen sorgten zwei gegensätzliche Analystenaktionen für Bewegung. Barclays senkte am 24. August das Kursziel für Vonovia von 23 auf 20 Euro und bestätigte das Rating „Underweight“.
Analyst Paul May begründete den Schritt mit einer methodischen Umstellung: Er bewertet europäische Immobilienwerte künftig stärker über den freien Cashflow statt über die Gesamtrendite. Diesen Ansatz wandte May branchenweit an und riet Anlegern, kontinuierliche Einnahmen stärker zu gewichten als statische Portfoliobewertungen.
Am selben Tag ging Goldman Sachs den entgegengesetzten Weg: Die Bank senkte zwar ihr Kursziel von 34,20 auf 29,50 Euro, bestätigte aber die Kaufempfehlung „Buy“. Die Spanne zwischen den beiden Kurszielen zeigt, wie unterschiedlich die Häuser das Chance-Risiko-Profil von Vonovia derzeit einschätzen – zwischen dem pessimistischen Barclays-Ziel und der optimistischeren Goldman-Marke liegen mehr als neun Euro.
Operatives Geschäft läuft stabil, Portfoliobereinigung geht weiter
Trotz des Kursrückgangs zeigte sich das operative Geschäft im ersten Halbjahr solide. Vonovia bestätigte seine Jahresguidance für 2026 mit Mieteinnahmen zwischen 3,45 und 3,55 Milliarden Euro sowie einem bereinigten EBITDA von 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Rental-EBITDA legte im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent auf rund 1,27 Milliarden Euro zu, das Value-add-EBITDA stieg sogar um 28 Prozent auf über 128 Millionen Euro.
Etwas gebremst wurde die Wachstumsdynamik allerdings bei der Miete: Das für 2026 erwartete organische Mietwachstum reduzierte der Konzern von rund 4,2 auf etwa 4 Prozent, als Grund nannte das Unternehmen die gemäßigtere Umsetzung des Berliner Mietspiegels.
Parallel treibt Vonovia den Verkauf nicht strategischer Immobilien voran. Am 18. August veräußerte der Konzern ein Wohnungspaket in Lüneburg mit 975 Einheiten an Tristan Capital Partners und die Porth Gruppe für 55 Millionen Euro. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Stadt Lüneburg. Ein Teil der Objekte gilt als stark sanierungsbedürftig.
Bilanz profitiert von Refinanzierung
Auf der Finanzierungsseite kann Vonovia Fortschritte vorweisen: Bis zur Jahresmitte refinanzierte der Konzern bereits 4,4 Milliarden Euro und realisierte 700 Millionen Euro aus Immobilienverkäufen. Der Refinanzierungsbedarf für 2027 sank dadurch auf rund 3 Milliarden Euro. Diese Entlastung dürfte mit Blick auf die anhaltend hohen Zinsen ein wichtiger Stabilitätsfaktor bleiben, auch wenn sie den Kurs bislang nicht stützen konnte.
Charttechnisch bleibt das Bild angeschlagen: Mit einem RSI von 35,1 nähert sich die Aktie der überverkauften Zone, notiert zugleich fast 16 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 22,92 Euro. Die nächsten Impulse dürften von den Q3-Zahlen kommen, die Vonovia voraussichtlich im November vorlegen will.
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